
Reibt Euch die Augen. Der Sandmann hat euch was mitgebracht: wieder sind wir tausende, wie schon seit Wochen. Tausende täglich, die zeigen: Stuttgart lebt, Stuttgart pulsiert und Stuttgart kann sich wehren. Herzlichen Dank! Wir zeigen, was lebendige Demokratie ist. Wir sind der sandige Nährboden einer lebendigen Demokratie. Die repräsentative Demokratie kann und muss von uns lernen.
Schmiedel sagt, wer in der jetzigen Umsetzungsphase von S 21 noch Hoffnungen auf einen Ausstieg nähre, streue sich selbst und den Menschen auf unverantwortliche Weise Sand in die Augen.
Sehr geehrter Herr Schmiedel (früherer Fraktionsvorsitzender). Sie werden sich noch verwundert die Augen reiben und wir versprechen Ihnen, wir werden den Sand wirkungsvoll ins Getriebe Ihres unbezahlbaren, altmodischen und nutzlosen Projekts streuen. Bei einigen Ihrer Genossen zeigt der Sand schon Wirkung. Das ist spät, aber nicht zu spät. Denn S 21 ist umkehrbar, wenn Sie, die SPD und die CDU es wollen. S 21 war noch nie ein Bahnprojekt, sondern immer schon ein politisches Großmannsprojekt. Deshalb ist es auch politisch zu stoppen. Wenigstens innehalten und nachdenken, das erwarten wir von der Bahn und den politischen Befürwortern. Nachdenken, ob es wirklich richtig ist ein Projekt zu beginnen, von dem man nicht weiß, wie teuer es wird, und vor allem, wie es bezahlt werden soll.
Aktuelle Nachricht: Der Bund stoppt alle Infrastrukturprojekte in ganz Deutschland, ob Straße, Schiene oder Wasserweg, die noch nicht begonnen wurden, weil Milliarden Euro fehlen. Das trifft die Neubaustrecke, und damit S 21. Es gibt preiswertere Alternativen. Schon 1995 war der ICE nach München so schnell auf der alten Strecke unterwegs wie er dann in 20 Jahren auf einer milliardenschweren Neubaustrecke sein würde. An dieser Stelle sei noch einmal auf Prof. Bodack hingewiesen. Es sind wir Bahnfreunde, die sich gegen S 21 wenden und nicht irgendwelche Modernisierungsverweigerer. S 21 ist eben nicht modern, sondern konzeptionell uralt.
Sehr geehrter Herr Drexler, liebe SPD – wenn schon niemand außer Ihnen versteht, warum sie den Lautsprecher von S 21 spielen. Besinnen sie sich. Steigbügelhalter haben es noch nie zum Reiter gebracht. Ich hoffe immer noch, dass wir das gemeinsame Ziel haben endlich die CDU von der Last des Regierens zu befreien. Deshalb, liebe SPD, nicht untergehen mit S 21, oben bleiben. Wir GRÜNE beenden mit euch gerne S 21.
Diese Woche war mal wieder reich an medialen Merkwürdigkeiten.
Die FAZ soll mal eine Zeitung für kluge Köpfe gewesen sein. Dass sich der Protest nun mit Beginn der Abrissarbeiten radikalisiert sei ein Werk des grünen Gemeinderats und Hauptorganisator der Gegner Wölfle.
Alles Falsch:
1. Der Hauptorganisator bin nicht ich, auch nicht die GRÜNEN, es sind zahllose bekannte und unbekannte Menschen, die mit unglaublicher Energie und Phantasie diese Protestbewegung tragen, wie sie wohl in ganz Deutschland einmalig ist. Danke, und weiter so!
2. Der Protest radikalisiert sich nicht. Eine Sitzblockade ist nichts Radikales, sie ist eine Form gelebten zivilen Ungehorsams. Wir bleiben so ideenreich und phantasievoll, wie die letzten Monate und Jahre. Das macht neben unseren überzeugenden Argumenten unseren Protest so anziehend und begeisternd.
Wenn sich jemand radikalisiert, dann die Gegenseite. Aus 15 Aufklebern mit Anti-S-21-Parolen und fünf bis sechs Flyern gleichen Inhalts, die rund um Grubes Wohnviertel entdeckt wurden eine leibhaftige Bedrohung von Herrn Grube zu stricken, das ist radikal. Jetzt fehlt noch die Alarmbereitschaft der deutschen Luftwaffe, weil 99 Luftballons im Anflug auf die Wohnsitze von Drexler, Mappus Grube und Schuster sind. Also bitte, keine Luftballone mehr aufsteigen lassen.
Die CDU in Stuttgart tut das Ihre dazu. Sie verteilt die Unterstellung, ich – vor 2 Wochen war es Gangolf – habe in einem kleinen Kreis von der Unumkehrbarkeit von S 21 geredet.
Daran sind 2 Dinge richtig:
Richtig ist: der Kreis war klein. Es war die CDU Gemeinderatsfraktion, bei der ich mich vorstellen musste. Der Kreis ist immer noch zu groß. Aber bald ergibt sich ja wieder die Gelegenheit.
Und richtig ist: ich habe gesagt, wenn sie – die CDU – nicht zur Vernunft kommt und S 21 weiter treiben, dann sind unsere Bäume im Park gefährdet. Die würde ich verteidigen. Zwar nicht mit Ketten, aber mit meinen Armen, Kopf und Verstand.
Der Versuch uns zu diskreditieren und einen Keil zwischen uns zu treiben ist billig, durchsichtig und ein Schuss in den eigenen, schwarzen Ofen.
Man hat einfach das Gefühl da stimmt etwas nicht, sagte Walter Sittler zum ganzen Projekt S 21. Recht hat er. Bei der Nummer, die der erste Bürgermeister dieser Stadt diese Woche abgezogen hat, ist es kein Gefühl. Hier ist gewiss: Der Titanic – Kapitän der CDU, erster Bürgermeister Föll, ist neuer Berater der Firma, die unseren Bahnhof abreißen und die Steine verramschen will. Er hat zugegeben, dass er künftig befangen sei. Er hat seinen Vorsitz im Vergabeausschuss der SWSG wegen seiner Beratertätigkeit zurückgegeben.
Ob die Entscheidung für Wolff und Müller durch ihn beeinflusst worden ist, können wir nicht beweisen. Aber es riecht stark danach, oder besser, es stinkt gewaltig.
Soll er doch ganz zu Wolff und Müller wechseln. Dafür bekäme er unseren Beifall. S 21 verdient eine Pause. Eine Pause für die Befürworter zum Nachdenken und Nachrechnen. Die Bürger von Stuttgart haben nachgedacht und wollen mitentscheiden was mit Ihrer Stadt passiert. Es ist nie zu spät!
Wir bleiben standhaft.
Wir bleiben aufrecht.
Wir bleiben oben.
Wir werden immer mehr.
Und am Montag begrüßen wir einige neue mutige SPD-Vertreter. Und falls es in der CDU doch jemanden geben sollte der erkennt, dass ihr Kapitän den Eisberg nicht sieht auf den sie zufahren, rollen wir den roten oder schwarzen Teppich aus.
Foto: mit Dank an B.Beytekin.