
„Die angekündigte Antwort auf meinen Appell, Vergaben beim Projekt Stuttgart 21 entweder unter einen Vorbehalt zu stellen oder zu verschieben, bis alle finanziellen, technischen und juristischen Fragen geklärt sind, kann sich Bahnchef Grube nach der jetzt erfolgten Ausschreibung sparen“, so Werner Wölfle, MdL und Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stuttgarter Gemeinderat.
Wölfle bedauerte das mangelnde Entgegenkommen der Bahn. Auch dieses Bemühen um Deeskalation werde von der Bahn auf bekannte Art und Weise abgeschmettert: Mit voller Kraft voraus würden Tatsachen geschaffen – die Ausschreibungsfrist endet bereits am 20.05. –, stur gehe es in den Tunnel, kein Raum für Transparenz oder Information. Wölfle kritisiert, dass die Bahn die Stuttgarter Bürgerinnen und Bürger nicht nur nicht über ihre Pläne informiert, sondern sogar ihren Partner, die Landeshauptstadt Stuttgart im Dunklen lässt, wo denn in der größten Baustelle der Republik die Bahn denn konkret graben wolle.
Durch die Ausschreibung wäre nun schwarz auf weiß bestätigt, was die Grünen und ihre Gutachter Vieregg und Rössler bereits 2008 vorausgesagt haben: Aus Kostengründen muss nun auch die Variante „maschineller Vortrieb“ in der Ausschreibung zugelassen werden. Unter Umständen habe auch eine Rolle gespielt, dass der Hersteller von Tunnelbaumaschinen, die Fa. Herrenknecht, dem Förderkreis Stuttgart 21 angehöre. Wölfle weist darauf hin, dass diese Variante sehr wahrscheinlich Planänderungsverfahren nach sich ziehe.
Wölfle: „Genauso, wie wir Gegner von Stuttgart 21 in der Frage der Tunnelbauweise Recht behalten haben, werden wir auch im Punkt der Tunnelwanddicke bestätigt werden.“ Mahnende Beispiele wie der Adlertunnel – die Sanierung war noch vor der Inbetriebnahme erforderlich – und der Engelbergtunnel, beide ebenfalls im anhydritführenden unausgelaugten Gipskeuper, zeigen, wie sich eine falsche, durch Kostendruck motivierte Planung im Nachhinein durch enorme Mehrkosten bitter rächt.
Weil die Einhaltung der Kostengrenze von 4,5 Milliarden EUR bei Stuttgart 21 auch im wesentlichen durch eine Reduzierung der Tunnelwanddicken erzielt werden soll, die aber nach Ansicht der Grünen und der vieler Fachleute in dem enorm schwierigen Gipskeuper-Gestein eher verstärkt als verjüngt werden müssten, fordert Wölfle, dass vorab transparent dargestellt wird, welche Tunnelquerschnitte und Gesteinsdrücke bei einer eventuellen Vergabe zugrunde gelegt werden.
Wölfle: „Hier müssen wir uns nichts vormachen: Die Kostensteigerungen sind dann doch größtenteils aus den sowieso schon stark gebeutelten öffentlichen Kassen zu tragen – wer hier auf ein Betriebsgeheimnis des Bauherrn verweist, hat etwas zu verbergen.“
Werner Wölfle