
Der neue Schulentwicklungsplan liegt auf dem Tisch – und bestätigt die meisten Befürchtungen. Als Quadratmeterprogramm beschäftigt er sich mit Räumen und Gebäuden. Schulpädagogischen Konzepte und Zukunftsüberlegungen kommen auf 289 Seiten + Anhang nicht vor.
Statt zu überlegen, ob es nicht sinnvoller ist, zukunftsfähige Schulen mit dem entsprechenden Raumangebot zu verknüpfen, werden sauber getrennte Realschulen und Hauptschulen geplant. Werkrealschulen sind offensichtlich wieder auf dem absteigenden Ast. Damit hat wieder jede Schulart ihre eigene Spielwiese und die Trennung zwischen den Schularten wird entgegen den Trends im Land weiter verschärft.
Undenkbar scheint, dass in den großen Schulgebäuden mehrere Schularten unter einem Dach gemeinsam lernen. Da sind viele Schulen bereits weiter und planen gemeinsame Realschul- und Gymnasialklassen. Das Datenkonvolut „Schulentwicklungsplan“ hinkt der schulischen Realität vollkommen hinterher.
„Für ein „gigantisches Investitionsprogramm“ zeigen die Pläne des Bildungsreferats nicht viel Weitsicht. Wir vermissen alle weiteren Ressourcen des Bildungsbereiches, zahlreich in dieser Stadt: Jugendhilfe, Hortbetreuung und die Schnittmenge von Schule und Freizeit bleiben unberücksichtigt,“ so der Fraktionsvorsitzende Werner Wölfle.
Das baden-württembergische Schulsystem krankt an den wenigen Chancen für Übergänge zwischen den Schularten. Gerade mit dem Wegfall der Grundschulempfehlung ist es zwingend notwendig die Übergänge zu erleichtern. „Wenn das Portemonnaie der Eltern nicht länger über die Bildungschancen der Kinder entscheiden soll, müssen wir die verschiedenen Schularten miteinander verknüpfen,“ ergänzt Stadtrat Vittorio Lazaridis. „Das passende Datenwerk haben wir bereits – doch der Sozialdatenatlas interessiert den Schulentwicklungsplan nicht die Bohne. Genauso wenig wie die Gemeinschaftsschule. Sie ist das zentrale Instrument, um allen Kindern die gleichen Ausgangschancen zu geben.“
Zukunftsfähige Lösungen im Bildungsbereich können nur mir den Schülern, Lehrern und Eltern vor Ort gefunden werden. Diese Kommunikationslücke werden wir füllen, bereits jetzt erkennen wir, dass vor Ort ganz anderen Lösungsansätze zur Diskussion stehe, die kein Entwicklungsplan je vorgezeichnet hat.
Vittorio Lazaridis, Werner Wölfle