
„Holy Shit Shopping“ und „Summer Pop Shopping“ – hinter diesen Anglizismen versteckt sich eine sehr erfolgreiche Verkaufsplattform für lokale und nationale Kreativschaffende. Sommers wie Winters werden Produkte aus kleinen Designbüros und -werkstätten auf den wochenendlichen Verkaufsmessen angeboten. Das erfolgreiche Konzept tingelt seit Jahren durch Deutschlands Großstädte und machte neben Köln, Hamburg und Berlin auch Halt in Stuttgart. Bisher. In diesem Winter legt Stuttgart der Veranstaltung hausgemachte Steine in den Weg. Damit wird es diesen Winter nichts mit dem kreativen Weihnachtsgeschenk.
Stuttgart versteht sich gerne als urbane, lebendige Großstadt und ist zu Recht stolz auf seine erfolgreiche Kreativszene. Einer solchen Stadt stünde es gut zu Gesicht, ihre Offenheit mit einem entsprechenden Veranstaltungsprogramm zu pflegen. Die Kreativschaffenden dürfen nicht zum Opfer ihres eigenen Erfolgs werden. Wenn im letzten Jahre der Sonntagsverkauf kein Problem war, darf er in diesem Jahr nicht Hinderungsgrund sein. „Vor Ort müssen verlässliche Verhandlungspartner alle Akteure koordinieren – und nicht blockieren. Die Stadtverwaltung muss die Szene verstehen. Viele Städte fahren mit spezialisierten Agenturen als Ansprechpartner für ihre Kreativschaffenden sehr erfolgreich. Es reicht einfach nicht aus, eine weitere Stelle in der Wirtschaftsförderung oder beim Amt für öffentliche Ordnung zu schaffen“ so die Stadträtin Niombo Lomba, „die Agenturen werden von Menschen betrieben, die selbst aus der Kreativszene stammen und über gute Kontakte in die Stadtverwaltung verfügen.“ Der nächste große Verlust in der Kreativszene kündigt sich bereits an: die Designmesse DEKUMO steht vor dem Absprung nach München. Stuttgart darf sich diesen Verlust nicht leisten, die Kreativagentur muss her.
Niombo Lomba, Silvia Fischer