
Deutsche Bahn AG
Herr Dr. Rüdiger Grube
Vorsitzender des Vorstands
Gallusanlage 8
60329 Frankfurt/Main
Sehr geehrter Herr Grube,
am vergangenen Samstag haben sich mehr als zehntausend Menschen unter dem Motto „Unser Park – unsere Stadt“ für den Erhalt des Stuttgarter Kopfbahnhofs im Park versammelt. Seit einem halben Jahr treffen sich Woche für Woche Tausende von Menschen bei den Montagsdemonstrationen. Teilnehmerzahl steigend. Wie kein anderes Projekt vorher treibt die Zukunft des Stuttgarter Hauptbahnhofs die hier lebenden Menschen um.
Ihre Sorgen müssen ernst genommen werden. Lassen Sie mich aus dem Artikel „Recht auf Heimat, Recht auf Stadt“ von Gert Kähler, erschienen am 27.04.2010 in der Stuttgarter Zeitung, zitieren:
„Wenn sich die eigene Umgebung, die eigene Stadt verändert, dann rührt das an unser Innerstes. Denn das Gebaute aus Straßen, Plätzen und Häusern bildet unsere feste Umgebung – das ist das tiefere Geheimnis von Architektur und Städtebau, jenseits aller Moden und Stile. (…)
‚Recht auf Stadt’ heißt dann ganz einfach: ‚Recht auf das Gewohnte’. Das aber müssen die Stadtväter und –mütter sehr ernst nehmen“.
Dieses „ernst nehmen“ verpflichtet uns in der sensiblen Frage der Zukunft des Stuttgarter Hauptbahnhofs besonders. Daher wiederhole ich meine feste Überzeugung: Bevor nicht alle finanziellen, technischen und juristischen Fragen geklärt sind, solange also beispielsweise die Neubaustrecke Wendlingen – Ulm nicht planfestgestellt ist oder das Gericht nicht über den Urheberschutz geurteilt hat, dürfen die Arbeiten an Stuttgart 21 nicht weitergeführt werden.
Da Sie mir in diesem Punkt vermutlich nicht entgegenkommen werden, appelliere ich an Sie, dass Vergaben auf Grund von Ausschreibungen – wie zum Beispiel die Vergabe der Abbrucharbeiten an den Seitenflügeln des Hauptbahnhofs, die Presseberichten zufolge für den 11. Mai vorgesehen ist – entweder wenigstens unter einen Vorbehalt zu stellen oder gleich zu verschieben.
Dass Sie bei Vergaben grundsätzlich Entschädigungsforderungen ausschließen, sollte es nicht zu einem Bau oder Abbruch kommen, halte ich für selbstverständlich.
Mit freundlichen Grüßen
Werner Wölfle, MdL
Fraktionsvorsitzender DIE GRÜNEN
Gemeinderat Stadt Stuttgart
Werner Wölfle