
Am 27.08.2010 präsentierten Herr Ingenhoven als Architekt des neuen Tiefbahnhofs und Herr Drexler als Sprecher des Projekts die geänderten Pläne des Tiefbahnhofs der Presse. Mit bunten Bildern und realistischen Darstellungen sollte den Bürgern der neue optimierte Bahnhof schmackhaft gemacht werden. Die Eingänge wurden verkleinert und die Höhe der Lichtaugen auch. Somit sieht ja alles nicht mehr so schlimm aus. Diese Bilder, eine Perspektive im Schlossgarten mit noch alten Bäumen und eine Übersicht des gesamten Tiefbahnhofs, sind auf der Internetseite des „Bahnprojektes Stuttgart-Ulm“ zu sehen und als Download erhältlich. Schaut man sich die Bilder genauer an, dann erkennt man, dass hier etwas faul ist. Die Proportionen und Maßstäbe stimmen nicht mit den angegebenen Größen überein. Die Fraktion Bündnis90/GRÜNE haben diese Darstellungen durch Fachleute, ein renommiertes Architekturbüro, überprüfen lassen.
Die Überprüfung zeigt, dass die Lichtaugen in der Darstellung im Schlossgarten zu klein sind. Wesentlich zu klein. Außerdem wurde beim Blick in den Park die Tatsache unterschlagen, dass der neue Tiefbahnhof als Wall durch den Park läuft und nicht als ebene Fläche. Die leicht und klein daherkommenden Lichtaugen in der Gesamtübersicht sind nur deshalb leicht und klein in dieser Darstellung, weil die eingezeichneten Menschen im Verhältnis zu den Augen ca. 4 m groß sind. Hinzu kommt, dass die Augen nur sehr schematisch dargestellt sind und auch deshalb sehr leicht wirken. Details, die bei der Umsetzung des Entwurfs notwendig sind wurden weggelassen.
So werden z.B. die Geländer um die Augen nur als zwei Striche frei schwebend um die Augen dargestellt. Die notwendigen Geländer zur Absturzsicherung sind aber massiver und tragen hier mehr auf. Die Materialität, Stöße, Fugen und anderes fehlen ganz. Diese Details sind aber bei solch einem „Design-Objekt“ wichtig und prägen das Bauteil. Bei einem Projekt welches im Detail schon fertig sein soll, müsste man dies darstellen können, wenn man denn will.
Architekturzeichnungen dienen zwar immer als Verkaufsmittel und beschönigen einiges, aber die hier vorliegenden Maßstabsverschiebungen sind beträchtlich und laufen nicht mehr unter beschönigend. Eine seriöse Planung sieht anders aus. Vielleicht ist hier ja aber nur ein Fehler unterlaufen beim Zeichnen. Und keiner hat es gesehen. Was aber kein gutes Licht auf die weitere Planung wirft, wenn hier schon bei einfachen Darstellungen Fehler gemacht werden. Was erwartet uns dann bei der Ausführungsplanung, bei der Geologie, bei der Statik? Pfusch am Bau schon in den Plänen?
Ein Architekt, der sich in seinem Entwurf auskennt, hätte solch einen Fehler spätestens bei der Präsentation bemerken müssen.
Bei diesem Projekt wird von den Befürwortern aber wohl schon aus Re. ex alles kleiner gemacht als es ist: Die Kosten, die Lichtaugen und der Bürgerwille.
Die überprüften Darstellungen sind unter www.peterpaetzold.de/S21-Bilder.html verfügbar.
Peter Pätzold