Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.
04.06.2009

Kein Abwracken der Stuttgarter Geisteswissenschaften

„Das Lehramtsstudium und ein vollständiges geisteswissenschaftliches Studium an der Universität Stuttgart wird erschwert oder unmöglich“, so der kulturpolitische Sprecher der Grünen im Gemeinderat Michael Kienzle nach der Ankündigung von Uni-Rektor Wolfram Ressel, das Profil der Stuttgarter Universität ‚für die neuen großen Wettbewerbe’ schärfen zu wollen. Wie schon sein Vorgänger Fritsch im Jahre 2006 wolle er dies schlicht durch die Entwidmung von geistes- und sozialwissenschaftlichen Professuren und die Fusionierung von Fakultäten erreichen. Dabei hatte Ressel bei seinem Amtsantritt ausdrücklich versichert, „die Geistes- und Sozial- und Wirtschaftswissenschaften als selbständige Fakultäten zu erhalten“ (Pressemitteilung 45/2006).

Theresia Bauer, die hochschulpolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, und Dr. Michael Kienzle, grüner Gemeinderat, haben für Ressels Wortbruch und den erneuten Angriff auf den Wissenschafts- und Bildungsstandort Stuttgart kein Verständnis. Sie haben nachhaltigen politischen Widerstand gegen Ressels so genannten Masterplan angekündigt, den er ohne Beteiligung oder Anhörung der Lehrenden und der Studierenden gefertigt hat.

„Die Landeshauptstadt Stuttgart ist mit ihren vier Hochschulen für Studierende ein beliebter Studienort, in dem sie oft auch eine berufliche Existenz gründen. Viele Geisteswissenschaftler, die in den Medien, Schulen oder im Kulturbereich kreativ arbeiten, haben in Stuttgart auch studiert. Die Lehramtsstudenten haben es nicht verdient, nach Tübingen oder Heidelberg verwiesen zu werden, wo auch keine überzähligen Studienplätze warten“, so Kienzle. Ferner dürften die in Stuttgart forschenden Geistes- und Sozialwissenschaftler nicht zu Handlangern der technischen Fakultäten werden. Dies schwebe aber Ressel vor, wenn er vorschlägt, der landesgeschichtliche Lehrstuhl möge sich vorwiegend mit der Geschichte der Technik im Lande befassen. „Porschegeschichte“ bemerkte dazu ein Student ganz zutreffend.

In der Landeshauptstadt Stuttgart würde ein weit gespanntes kulturelles Netz zerschnitten werden, wenn Ressels Pläne umgesetzt würden. Kienzle: „Wir alle brauchen technisches Wissen. Aber Techniker und wir alle brauchen auch die ständige Reflektion dessen, was Technik und die Wirtschaft soll. Geistes- und Naturwissenschaften müssen gleichberechtigt und gemeinsam die exi-stenziellen Fragen stellen und beantworten – ganz besonders in Zeiten der Krise.“

Theresia Bauer ergänzt: „Es ist an den Hochschulen im Land eine allgemeine Verlagerung weg von den Sozial- und Geisterwissenschaften hin zu den Natur- und Ingenieurwissenschaften zu beobachten. Der Konkurrenzkampf um die Exzellenz-Cluster führt ja zu der absurden Situation, dass viele Unis an den gleichen Stellen umstrukturieren. Die Vielfalt der Hochschullandschaft in Baden-Württemberg wird so aufs Spiel gesetzt.“

Die Gemeinderatsfraktion und die Landtagsfraktion lehnen die Pläne Ressels strikt ab und ermuntern die Universitätsmitarbeiter und Studierenden, das Abwracken der zur Streichung empfohlenen Bereiche und Fakultäten nicht hinzunehmen. Sie werden den bildungspolitisch naiven ‚Masterplan’ zum Anlass nehmen, die Bildungsziele für Land und Stadt gemeinsam und öffentlich zu hinterfragen und weiter zu entwickeln.

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