
Politische Arbeit findet nicht nur im Rathaus statt. Bedürfnisse einzelner Stadtteile und wichtige aktuelle Projekte werden am Besten vor Ort aufgenommen und beobachtet. Mit diesem Ziel setzt die Gemeinderatsfraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN ihre Fraktionssitzungen vor Ort fort. In Zusammenarbeit mit den grünen Bezirksbeiräten in Bad Cannstatt führte am 15. April 2010 eine Radtour zu den wichtigsten städtebaulichen Projekten und bestehenden Herausforderungen in der Stadtentwicklung.
In der Seelbergstraße vom Wilhelmsplatz zum Cannstatter Carrée werden Fußgänger bisher systematisch benachteiligt. Verschiedene Lösungskonzepte liegen auf dem Tisch: Die Verbreiterung des Gehweges ist hier die Mindestforderung der Grünen.
Oberstes Ziel für den Marktplatz bleibt die Autofreiheit. Die Umsetzung ist im Grunde einfach, erfordert aber die Begleitung durch ein attraktives Nutzungs- und Verschönerungskonzept. Eine Chance ist die baldige Eröffnung des Cafés „Café und Genuss“. Die Betreiberin bringt ein Stück Südtirol in die Altstadt von Bad Cannstatt – wovon sich die Grünen vorab überzeugen konnten.
Auf dem Augsburger Platz präsentierte sich der Fraktion das volle Ausmaß der verkehrlichen Fixierung auf das Auto. Mitten durch Bad Cannstatt führt hier eine Stadtautobahn, für die bereits vor Jahren eine Umgehung gebaut wurde. Trotz der versprochenen Entlastung nach der Fertigstellung des Kappelbergtunnels fahren jetzt bereits wieder bis zu 23.000 Fahrzeuge pro Tag durch die Stadt. Linderung für geplagte Anwohner könnte die vom Bezirksbeirat angestoßenen Wendemöglichkeiten über die Gleise der Stadtbahn bringen. Der weiträumige Umweg durch Wohngebiete wäre nicht mehr notwendig.
Weitere Station war der Neckarpark und das kurz vor der Vollendung stehende Stadtarchiv. Ein Schwachpunkt der Planung ist allerdings der Weg dorthin. Die bisherige Unterführung unter den Bahngleisen wurde von den Stadträten einhellig als „gruselig“ beschrieben. Diese Verbindung, für viele Kinder sogar Schulweg, gilt es dringend aufzuwerten (siehe auch den Antrag der Grünen Nr. 412/2008 „Anschluss für das neue Viertel, Den Seelbergdurchlass verbessern“). Vertreter der Gemeinwesenarbeit präsentierten die verdienstvolle Arbeit der Bürgerinitiative Veielbrunnenviertel. Beide Initiativen und auch Vertreter des Stadtarchivs wünschen sich eine gute Zusammenarbeit zwischen neuen Nutzern und eingesessenen Anwohnern.
Abschluss der Tour war der Besuch der ehemaligen Schokoladenfabrik im Friedel-Areal. Hier entsteht ein Modellprojekt, das zeigt wie urbanes Wohnen in ehemaligen Industrieanlagen umgesetzt werden kann. Gerd Hansen, Projektentwickler und Geschäftsführer von Archy Nova, präsentierte den Stadträten die direkte Verbindung von Wohnen, Arbeiten und Freizeitgestaltung. Solche Wohnprojekte gilt es auch in Stuttgart zu verwirklichen und nicht immer nach Hamburg oder Berlin zu schauen. Das Friedel-Areal hat das Potential für eine innovative Verbindung von Wohnraum und der kreativen Künstlerszene. Der Projektbetreiber und die anwesenden Künstler erörterten mit den Grünen erste Pläne, wie sich die Ateliers im Areal halten und in das Sanierungskonzept integrieren lassen könnten. Dabei wurde von den Grünen die Bedeutung der Kreativwirtschaft für eine lebendige Stadt betont.