
von Werner Wölfle 14.04.10, 16:48 Uhr
Schlossgarten vor Zerstörung schützen
Da müssen selbst die eingefleischten Befürworter von Stuttgart 21 den Hut ziehen vor so viel Engagement. Der friedliche Widerstand gegen Stuttgart 21 ist ungebrochen und findet immer mehr Anhänger: Energisch distanzieren wir uns als Aktionsbündnis jedoch von Gewalt und Zerstörung. Ja zu zivilem Ungehorsam im Stile der Atomkraftgegner, aber Nein zu Sachbeschädigungen. Die werden wir nicht tolerieren!
Was den Befürwortern auch mit viel Geld und teurer Propaganda nicht gelingen will, ist für die Gegner kein Problem. Mit friedlichen Mitteln demonstrieren jeden Montag Tausende von Bürgern am Hauptbahnhof gegen Stuttgart 21. Kurz vor Ostern hat sich der 10.000-ste Bürger bei der Parkschützer-Initiative registrieren lassen. Ich vermute, dass ihn genauso wie die anderen 9.999 Bürgerinnen und Bürger die Sorge um den beliebten Park umgetrieben hat.
Die Parkschützer als Teil des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21 wollen mit friedlichen Mitteln den Park gegen zerstörerische Bauprojekte gleich welcher Art schützen. Ihre Aktion ist nicht nur gegen Stuttgart 21 gerichtet. Der Schlossgarten, beliebt bei allen Schichten der Bevölkerung, soll als grüne Lunge für die von Lärm und Feinstaub geplagten Stuttgarter erhalten bleiben. Erneutes Zeichen des ungebrochenen Widerstands ist die Protestaktion am 24. April um 14.30 Uhr beim Landespavillon.
Der alte Baumbestand, die schönen Liegewiesen und Zusatzattraktionen wie Biergarten, Boule-Bahnen, Schachfelder, Monumenten, der Kleinkunstbühne im Landespavillon und dem Planetarium würden zerstört werden oder auch auf Jahrzehnte hinaus für die Bevölkerung unbrauchbar, wenn Stuttgart 21 kommen sollte. Aktionsbündnis und Parkschützer sind sich einig, nur mit friedlichen Mitteln die innerstädtische Lebensqualität erhalten zu können.
Sehr geehrter Herr Wölfle,
de fakto rufen Sie zum zivilen Ungehorsam auf. Ergebnis: Bei einer Veranstaltung zu Europa auf dem Marktplatz wird der OB niedergeschrieen.
Politischer Kampf für Ihre Sicht zu S21 ja - aber bitte Toleranz. Vielleicht ist Ihre Sicht richtig, vielleicht hat OB Schuster Recht. Das weiß man erst später. Deshalb Toleranz statt Glaubenskrieg um jeden Preis, Argumente statt Mobilisierung der Straße.
Und weitere Verzögerung? Die Bevölkerung hat ein Recht darauf, dass S21 nach vielen Jahren des Wartens endlich Wirklichkeit wird.
Lieber Werner,
ich möchte dich ausdrücklich unterstützen im Bemühen um die Verhinderung des Wahnhofs S21. Bleibe und bleibt konsequent (und die Vaihinger sollen sich mal öffentlich äußern!). Die Grünen haben ihren großen Wahlerfolg vor allem ihrem Bekenntnis zu einer Modernisierung des Kopfbahnhofs gegen das S21-Projekt zu verdanken. Das wird sich nicht wiederholen, wenn ihr jetzt einknickt.
Sicher ist man am Ende erst später klug (No risk, no fun). Aber wir dürfen unsere Vernunft nicht um einiger Hochglanzbroschüren (oder Posten) willen am Altar der Börsentauglichkeit der DB abgeben, die ganz andere Interessen verfolgt, als den Baden-Württembergern bessere Bahnverbindungen oder finanziellen Segen zum Ausgleich für ihre Einzahlungen in den Länderfinanzausgleich zu verschaffen, worauf manche insgeheim oder offen zu spekulieren scheinen.
Ein Glaubenskrieg um jeden Preis, wie der Doktor oben wähnt, findet nicht statt (es sei denn im starrsinnigen, uneinsichtigen Festhalten der S21er an überholten Fehlplanungen), und wenn es um Argumente geht, so findet man sie massenhaft bei allen intelligenten Fachleuten (und zwar gegen S21) - aber leider weder bei Schuster, Drexler, Grube und Öttinger, die ja gerade mit ihrer Desinformationspolitik, mit Täuschungen, Verschweigen und Lügen für die Verbitterung des informierten Teils der Stuttgarter gesorgt haben.
Sämtliche Befragungen der “Bevölkerung” ergeben ein eindeutiges Bild gegen S21, und die arrogante Verachtung und Verächtlichmachung des Bürgerwillens ist doch überhaupt erst der Anlass dafür, dass sich so viele Bürger aus allen sozialen, demographischen und politischen Gruppierungen bei Initiativen wie den Parkschützern engagieren und zu zivilem Ungehorsam und gewaltlosem Widerstand in freiem Einsatz bereit sind, selbst wenn sie bisher über Jahre (und Jahrzehnte!) hin die führenden “Volksparteien” gewählt oder sich noch nie an einer Demonstration beteiligt haben.
Dass OB Schuster nicht Recht hat, weiß inzwischen sogar die zerstrittene CDU - nur wird er längst auf einem anderen Posten (wie Öttinger) oder im Ruhestand (wie Mehdorn und Tiefensee) sein, wenn wir in Stuttgart und darüberhinaus in Baden-Württemberg ihre hanebüchenen Fehleinschätzungen und -entscheidungen (und die des Gemeinderats) ausbaden müssen. Und das scheint mir noch ein mildes Urteil zu sein, denn bei genauerer Recherche stecken noch verheimlichte und weit weniger anständige Spekulationen und Interessen hinter den S21-Verträgen.
Die müssen aufgelöst werden, und es ist u.a. die politische Aufgabe verantwortlicher Volksvertreter, gangbare Szenarien zu entwickeln und sie der Bürgerschaft zur breiten Diskussion vorzustellen - nur: wo bleibt ihr Grünen da? Fehlanzeige, as far as I can see.
Weist euch also nun des in euch gesetzten Vertrauens würdig! Nette Moderation bei der Montagsdemo ist ja recht, reicht aber bei weitem nicht - wir sind nicht im Kindergarten!
Was immer die Grünen aber tun oder versäumen:
Unser Herz wird jedenfalls nicht unterm Bonatzbau vergraben - und wenn es einen Schandfleck gibt, der unter die Erde gehört, dann ist es der scheußliche “Hochsicherheitstrakt”, der den Ort hinterm Nordausgang verschandelt und einen Vorgeschmack liefert auf die schöne neue Welt, die uns mit der Bebauung nach den Plänen der S21-Protagonisten und -Profiteure erwartet.
Power to the people - und denkt mal wieder daran, wo ihr herkommt! Eine Greenwash-FDP wollt ihr doch nicht werden, oder?
Gut gemeint - und hoffentlich nicht d.g.
Liebe Grünen,
ich habe in der Vergangenheit oft grün gewählt. Ich werde dies nicht (!) mehr tun. Ich verstehe nicht, dass Sie gegen ein (aus meiner Sicht) sinnvolles Bahnprojekt sind und jetzt populistisch ein langfristiges Projekt, das auf die nächsten 50 - 100 Jahre angelegt ist, verhindern wollen, um kurzfristig Wählerstimmen zu bekommen. K 21 hat ebenfalls große ökologische und sonstige Nachteile und dies wissen Sie sehr genau. Ihr Verhalten ist nicht korrekt. Daher werde ich nicht mehr grün wählen. Im übrigen habe ich den Eindruck, dass im Umland/Umkreis von Stuttgart die Mehrheit der Bürger für das Projekt S 21 ist.
Sehr geehrter Herr Wölfle,
mit Begeisterung habe ich das Engagement der Grünen verfolgt, sich in Zuffenhausen aufs Rad zu schwingen und die Schwachstellen des Stadtteils kennenzulernen. Das Fazit der Tour lautete “Viel zu tun im Stadtteil Zuffenhausen!” Welche Maßnahmen wurden zwischenzeitlich von den Grünen aktiv angegangen? Als Zuffenhäuser Bürgerin habe ich bislang noch keine Verbesserung festgestellt.
Aber das ist ja auch nicht alles. In Ihrem Wahlprogramm zu den Kommunalwahlen im vergangenen Jahr haben Sie den Wählerinnen und Wählern versprochen, sich für den Radverkehr einsetzen zu wollen. Ein sinnvoller Ansatz unter ökologischen Gesichtspunkten. Ich finde es gut, wenn die Menschen vom Auto aufs Rad umsteigen - so kann man auch Verständnis für den jeweils anderen Verkehsteilnehmer schaffen.
Ich darf vorgenanntes Wahlprogramm zitieren: “Die Grünen setzen sich für FußgängerInnen und RadfahrerInnen in Stuttgart
ein.” “Nötig sind sichere Radverbindungen zu Schulen und öffentlichen
Einrichtungen, an viel befahrenen Straßen braucht es Radstreifen und
Radwege.” “Denn im Verwaltungsalltag
wird Radfahren als eigene oder gar privilegierte Verkehrsform nicht wirklich
ernst genommen.” Letzteres müssen sich wohl auch die Grünen vorwerfen lassen. Seit der Kommunalwahl kann ich auch als Radfahrer (tgl. 22 km Wohnung-Arbeit) keine Optimierungen ausmachen. Auf der Straße aufgezeichnete Radstreifen sind in der Kostenintensität nicht vergleichbar mit Stuttgart 21, aber dennoch nicht umgesetzt. Allein die Instandhaltung der vorhandenen Wege ist der Stadt bedauerlicherweise nicht gelungen. So liegen montags morgens in der Innenstadt haufenweise Glasscherben, Rollsplit wir auf öffentlichen Flächen erst entfernt, wenn die Temperaturen die 20°C-Marke überschritten haben. Im Innenstadtbereich sind viel zu wenige Abstelmöglichkeiten für Räder vorgesehen. Oder es liegen dort Räder, die seit einigen Jahren schon nicht mehr fahrtauglich sind. In anderen Gemeinden werden solche Räder entfernt um Platz für diejenigen zu schaffen, diie tatsächlich bewegt werden.
Das sind Kleinigkeiten. Aber auch saubere, verlässliche Radwege können zur Förderung des Radverkehrs beitragen.
Sollten Sie abgesehen von dem Antrag auf überdachte Radabstellplätze weitere entscheidende Maßnahmen eingeleitet haben, freue ich mich über Ihre Zuschrift!
Sehr geehrte grüne Fraktion,
es ist wirklich nicht mehr tragbar, wie das Projekt S21 dazu genutzt wird, um Wählerstimmen für die nächste Landtagswahl zu ergattern. Ich habe bisher immer Grün gewählt, werde dies jedoch nicht mehr tun. Hier wird mit aller Macht versucht, unbescholtene Bürger zu Demonstationen aufzufordern, die in Wirklichkeit das Projekt in seiner Gesamtheit überhaupt nicht beurteilen können. Alles was in diesem Zusammenhang gegen S21 vorgebracht wird, ist kurzsichtig und in keiner Weise zukunftsorientiert. Am schlimmsten ist jedoch das Argument, dass viel zu viel Geld dafür ausgegeben wird. Sind die Demonstranten tatsächlich alle aufgeklärt, dass dieses Geld hier zweckbestimmt ist und falls es nicht in S21 investiert wird, Baden-Württemberg verloren geht? Unsere anderen Bundesländer würden sich die Hände reiben, denn wenn nicht hier, wird das Geld in das nächste anstehende Bahnprojekt gesteckt - irgendwo, nur nicht im Ländle. Es stehen schon einige bereit, um die Nachfolge des Geldes anzutreten. Aber das ist ja alles egal, Hauptsache man kann die Meinung vieler weitesgehend unbedarfter älterer Menschen und Jugendlicher negativ beeinflussen, um letztendlich damit auch Wählerstimmen zu gewinnen. Das für S21 bestimmte Geld kann keineswegs für Schulen, Kindergärten oder ähnliches verwandt werden, das sollte auch einmal gesagt werden, es ist ausschließlich für diese Großinvestition gedacht und für nichts sonst.
Was wirklich ins Geld geht, das sind die Demonstrationen und der damit notwendig werdende Polizeieinsatz! Diese Millionen, die hier unnötiger Weise aufgebracht werden müssen, könnten anderweitig genutzt werden! Hier wird Geld in einem Maße kaputt gemacht, wie es seinesgleichen sucht!
Außerdem sollte auch einmal gesagt werden, dass K21 nur ein Geringes weniger kosten würde, dieselben Einschränkungen für Bahnnutzer hätte , die Baumaßnahmen würden genauso lange dauern und es birgt dieselben Sicherheitsrisiken.
Es ist Zeit zu sagen, dass wir in einer Demokratie leben, dass das Projekt bereits seit 15 Jahren in Planung ist und es keineswegs Verschleierungen darüber gab. Wer Interesse daran hatte, konnte im Hauptbahnhof jahrelang das Projekt begutachten. Ich wette, kein Einziger der Demonstranten war jemals dort und hat sich die Planung angeschaut! Heute zu behaupten, es wäre vieles “einfach nur gemacht worden” ist einfach. Beweise hierfür braucht man ja gegenüber den Demonstraten nicht schwarz auf weiß anzutreten - man muss es nur immer lauthals verkünden, dann tut es schon seine Wirkung!
Wo bleibt Ihr Demokratieverständnis? Alle Bürger haben das Recht zu demonstrieren, ja - sie können friedlich ihrem Mißmut Ausdruck verleihen. Aber der Staat hat auch das Recht, einem demokratisch verabschiedeten Projekt zur Durchsetzbarkeit zu verhelfen. Sicherlich auch ohne Gewalt - ich akzeptiere den drastischen Einsatz der Polizei keineswegs. Aber auch demonstrierenden Bürgern ist irgendwo Einhalt zu gebieten, wenn es ausartet. Und diese Demonstrationen arten aus - auch angeheizt durch Politiker der Grünen. Das ist in meinen Augen unverantwortlich!
Ich kann nur hoffen, dass Stuttgart 21 durchgesetzt werden kann. Es gab früher einen Aufschrei, als der Fernsehtum gebaut wurde - heute ist es das Wahrzeichen der Stadt! Es gab Proteste gegen die Verlegung der Straßenbahn in der Königstraße unter die Erde. In den schwärzesten Farben wurde ausgemalt, was alles passieren würde! Heute ist die Königstraße der Stolz der Stadt, auch gerade deshalb, weil keine Straßenbahn mehr fährt! So gäbe es noch viele Beispiele anzuführen. Darum nochmals: Hoffentlich kommt Stuttgart 21 - es wird eine Bereicherung unserer Stadt werden!
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