
von Werner Wölfle 17.04.09, 10:29 Uhr
Schätzungsweise 30 Millionen Schusswaffen sind in ganz Deutschland registriert, 30 000 davon alleine in Stuttgart und Umgebung. Doch die Dunkelziffer der nicht registrierten Waffen liegt um ein vielfaches höher: Experten schätzen, dass circa 60 000 illegale Waffen im Umlauf sind – in Stuttgart!
Gerade in den letzten Tagen und Wochen, nach dem Vierfachmord von Eislingen oder dem Amoklauf von Winnenden und Wendlingen, wird uns die Dringlichkeit der Einhaltung der bestehenden Waffengesetze vor Augen geführt.
Doch die Stadt kommt der Kontrolle von Waffenbesitzern nicht im Ansatz nach. Im Waffengesetz steht, dass mindestens alle drei Jahre eine Überprüfung anstehen muss. In der Realität sieht das aber ganz anders aus: Nur alle vier bis fünf Jahre wird die persönliche Zuverlässigkeit der gemeldeten Besitzer geprüft.
Wie sollen denn dann erst die illegalen Schusswaffen aufgespürt und deren Besitzer zur Rechenschaft gezogen werden, wenn man schon bei den bekannten Probleme hat?
Bevor schärfere Waffengesetze gefordert werden, verlangen die Stuttgarter Grünen, dass die vorhandenen Gesetze erst einmal eingehalten und die Waffenbesitzer auf ihre Zuverlässigkeit hin überprüft werden.
Das zuständige Amt weist darauf hin, dass nicht genügend Kontrolleure zur Verfügung stehen. Das kann und darf jedoch keine Entschuldigung sein, wenn es um Menschenleben geht! Schließlich ist der Gemeinderat für die Sicherheit der Bürger verantwortlich.
Um den Bürgern, aber auch den Politiker die Furcht vor neuen schrecklichen Ereignissen zu nehmen, fordert die Grüne Gemeinderatsfraktion, dass die geltenden Vorschriften zur Waffenkontrolle ständig, unabhängig von der Kassenlage der Stadt und nicht nur im Verdacht, angewendet werden müssen.
Anstatt dass unser OB Schuster Publicity erheischend Briefe an Waffenbesitzer verschickt und sie auffordert, ihren eigenen Besitz von Schusswaffen zu überdenken, täte er gut daran auf die Grünen im Stuttgarter Rathaus zu hören. Wir haben die Notwendigkeit der schärferen Kontrollen durch geschultes Personal nämlich längst erkannt und verlangen, dieses auch einzusetzen!
Sehr geehrter Herr Wölfle,
ich bin erstaunt (und zugleich erfreut), daß Sie sich hier für eine Versachlichung des Themas einsetzen und nicht - wie viele andere Politiker von SPD und Grünen - reflexhaft und populistisch Verschärfungen des Waffenrechts einfordern.
Seit den tragischen Ereignissen von Winnenden werden mehr als 2,1 Millionen Sportschützen, Jäger, Waffensammler und sonstige Legalwaffenbesitzer in Deutschland unter Generalverdacht gestellt, als “Waffennarren” bezeichnet und als potentielle Gefahr für die Sicherheit in Deutschland dargestellt. Während praxisnahe Fachleute von Bundeskriminalamt und den Landeskriminalämtern immer wieder betonen, daß Legalwaffenbesitzer keinerlei Gefahr für die innere Sicherheit darstellen, melden sich täglich thematisch inkompetente und praxisunerfahrene Politiker mit immer neuen Diffamierungen und realitätsfernen Forderungen gegen Legalwaffenbesitzer zu Wort. Viele Medien bieten diesen rein ideologischen geprägten Kampagnen eine Plattform, bei der Sachlichkeit und Ausgeglichenheit zu vermissen sind.
In Deutschland werden 97 % aller Schußwaffendelikte mit illegalen Waffen begangen !
Nur 3 % aller Schußwaffendelikte werden mit legalen Waffen begangen. Das heißt nicht, daß diese Delikte auch von den Eigentümern dieser legalen Waffen begangen werden, denn dazu zählen auch gestohlene Waffen aus Privat- und Staatsbesitz, die von Verbrechern mißbraucht werden. Und zu diesen 3 % zählen auch Taten, die von staatlichen Waffenbesitzern begangen werden. Warum widmen sich unsere Politiker also weiteren Einschränkungen bei legalen Waffen, die in der Kriminalitätsstatistik nur ein verschwindendes Randthema darstellen? Selbst wenn es keine privaten Waffen mehr geben würde, würde dies die Schußwaffendelikte also kaum verringern. Das Gegenteil ist der Fall, wie z.B. das Beispiel Großbritannien zeigt:
Seit dem fast vollständigen Privatwaffenverbot in Großbritannien haben die Schußwaffendelikte dort um fast 100 % zugenommen !
Nach dem Amoklauf an einer Schule in Dunblane 1996 wurde in Großbritannien der private Waffenbesitz fast vollständig verboten. Seitdem haben Schußwaffendelikte um fast 100 % zugenommen. Tageswohnungseinbrüche trotz Anwesenheit der Bewohner sind an der Tagesordnung. Waffengewalt unter Jugendlichen und zwischen Jugendbanden ist alltäglich geworden. Das Privatwaffenverbot hat also nicht nur nichts bewirkt, sondern hat zum genauen Gegenteil geführt, denn Straftäter wurden durch das restriktive Waffengesetz nicht entwaffnet. Da nur die gesetzestreuen Bürger entwaffnet wurden, haben Verbrecher nun keinerlei Risiken mehr zu befürchten.
Strengere Waffengesetze entwaffnen keine Verbrecher, sondern ausschließlich gesetzestreue Bürger, die legal im Besitz von Waffen sind !
Deutschland hat heute bereits eines der strengsten Waffengesetze Europas und der Welt. Seit Anfang der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde das bis dahin sehr liberale Waffenrecht in Deutschland immer weiter verschärft. Seitdem haben bewaffnete Straftaten (mit illegalen Waffen) permanent zugenommen. Gewalt und Kriminalität - gerade unter Jugendlichen - haben permanent zugenommen. Die Gefahr, Opfer einer Straftat zu werden, hat für alle gesetzestreuen Bürger immer weiter zugenommen. Und dies alles trotz immer weiter verschärfter Waffengesetze.
Wenn Waffen die Ursache für Straftaten sind, dann sind Kugelschreiber auch die Ursache für Rechtschreibfehler !
Menschen sind die Täter und nicht etwa die Waffen. Nicht Waffen waren die Ursache für Amokläufe, sondern die psychischen Störungen der Täter. Frustration, Schulstreß, mangelnde Aufmerksamkeit, fehlende Zuwendung und Anerkennung, nicht mehr vermittelte Werte, Abstumpfung durch die Alltäglichkeit von Gewaltdarstellungen in den Medien, Realitätsverlust durch die Flucht in virtuelle Gewaltwelten … die Liste der Ursachen und Auslöser für Amokläufe oder Gewalttaten gerade von Jugendlichen ließe sich noch deutlich verlängern. Waffen sind immer nur Mittel zum Zweck, aber weder Ursache noch Auslöser für derartiges Verhalten.
Kein noch so strenges Waffengesetz wird künftige Amokläufe verhindern oder die Anzahl der Schußwaffendelikte in Deutschland verringern !
Diese einfache Tatsache muß ganz einfach auch einmal offen gesagt werden. Tatsachenverdrehende, ideologisch geprägte Diffamierungskampagnen gegen Waffenbesitzer tragen nicht dazu bei, das Vertrauen in den Staat und die Unabhängigkeit der Medien zu stützen. Die Tat von Winnenden wurde nicht von einem Legalwaffenbesitzer begangen, sondern von einem offensichtlich psychisch gestörten Einzeltäter. Daß sein Vater als Legalwaffenbesitzer dabei gegen bereits bestehende gesetzliche Regelungen verstossen und damit die Ausführung der Tat begünstigt hat, zeigt nur, daß die bestehenden Gesetze vollkommen ausreichen. Es wird immer und überall Einzelne geben, die sich nicht an bestehende Gesetze halten. Genausowenig wie sich aus den kriminellen Machenschaften einzelner Politiker ein Generalverdacht gegen alle Politiker ableiten läßt, kann aus dem Fehlverhalten einzelner Legalwaffenbesitzer, das nachweislich verschwindend gering ist, ein Rückschluß auf die Gesamtheit der Waffenbesitzer in Deutschland abgeleitet werden.
Das Fehlverhalten einzelner Personen darf nicht zum Anlaß genommen werden, Millionen gesetzestreuer Bürger weiter in ihren Rechten einzuschränken !
Im Jahr 2007 wurden in Deutschland bei alkoholbedingten Unfällen im Straßenverkehr fast 600 Menschen getötet und 7.400 Menschen schwer verletzt. Werden deshalb private Autofahrten verboten? Wird deshalb Alkohol verboten? Kein Politiker käme auf eine solche Idee. Im gleichen Jahr wurde 164 mal eine Schußwaffe bei einem Tötungsdelikt eingesetzt, dabei kam - wenn wir von den oben aufgeführten 3 % verwendeten Legalwaffen ausgehen - also bei nicht einmal 10 Delikten eine Legalwaffe zum Einsatz. Trotzdem sind publikumswirksame und durch Medien ausgeschlachtete Taten einzelner Straftäter für Politiker offensichtlich ein Grund, Millionen von Legalwaffenbesitzern zu diffamieren und in ihren Rechten einzuschränken.
Nur ein liberales Waffenrecht ist Ausdruck eines wirklich freiheitlichen und demokratischen Staates !
Je totalitärer ein Staat organisiert ist, desto restriktiver sind seine Waffengesetze. Egal ob im feudalistischen Mittelalter, im Dritten Reich, der DDR oder im sonstigen ehemaligen kommunistischen Ostblock: Totalitäre Staaten und Regierungen lassen so wenig legalen Waffenbesitz bei Sportschützen, Jägern oder Sammlern zu, wie möglich. Je liberaler ein Staat ist, je mehr Vertrauen eine Regierung ihren normalen, gesetzestreuen Bürgern entgegenbringt, desto liberaler sind auch die Waffengesetze gestaltet. Mangelndes Vertrauen in das Volk, überwachungsstaatliche Tendenzen und zunehmende Einschränkungen der bürgerlichen Freiheitsrechte gehen immer und zuerst einher mit strengeren Waffengesetzen und Einschränkungen des privaten Waffenbesitzes. Ein Staat, der Loyalität und Vertrauen von seinen Bürgern erwartet, muß zuallererst einmal den Bürgern gegenüber Loyalität und Vertrauen entgegenbringen.
Schweizer Selbstverständnis: “Waffentradition ist Ausdruck des freiheitlichen Bürgerstaates !”
An dieser Stelle sei aus einer Rede des Schweizer Bundesrates Ueli Maurer von Anfang 2009 zitiert, die das Staatsverständnis eines Politikers der stabilsten und sichersten Demokratie in Europa widerspiegelt:
“Der Schweiz ist das Oben und Unten anderer Länder fremd: Kein Adelsstand, keine Beamtenelite, kein Berufsoffizierskorps prägte unsere Geschichte, verkörperte den Staat und vertrat oder vertritt ihn obrigkeitlich gegenüber dem Bürger, Soldaten und Steuerzahler. Aus diesem Grund brauchte sich unsere Regierung nie von einer bewaffneten Bürgerschaft zu fürchten, denn Bürgerschaft und Regierung sind eins. Dass dagegen Zwangsstaaten dem Bürger keine Waffen zugestehen, ist nicht verwunderlich; ein Alleinherrscher will nur seine Getreuen Waffen tragen lassen.
Das Modell Schweiz ist anders, es ist demokratischer, es ist freiheitlicher. Es gibt keinen Gegensatz Staat – Bürger. Der freiheitliche Staat, das ist unser gemeinsames Projekt. Der Staat, das sind die Bürger. Wir Bürger, wir sind der Staat. Wir, das Volk, wir sind der Souverän. Und deshalb ist es gar nicht anders möglich, als dass der Souverän auch die Waffen trägt … Wer jetzt einwendet, der bewaffnete Bürger sei gefährlich, sei ein Risiko, der spricht ihm die Selbstverantwortung ab. Und konsequent weitergedacht führt dieses Misstrauen gegenüber dem Volk in den totalen Verbots- und Verwaltungsstaat.
Wer dem Bürger die Waffe wegnimmt, der zeigt ihm so seine Unmündigkeit an. Der Staat übernimmt die Vormundschaft. Und diese wird sich bald nicht mehr allein auf die Waffenfrage erstrecken … Weshalb soll ein unmündiger Bürger an der Urne über die Geschicke unseres Landes befinden können? Die Entmündigungsspirale stoppt nicht bei der Volksentwaffnung.”
Von unseren Politikern ist eine Bekämpfung der tatsächlichen Ursachen von Gewalt und Kriminalität gefordert!
Politiker und Medien sollten sich nicht um die Diffamierung und gesetzliche Drangsalierung der nachweislich gesetzestreuen Legalwaffenbesitzer, sondern um die Beseitigung der tatsächlichen Ursachen kümmern, die zu einer Gesellschaft geführt haben, in der Gewalt alltäglich geworden ist:
• Konsequente Ahndung von Gewaltdelikten, gerade schon bei Jugendlichen beginnend: Nur wenn hier frühzeitig auch harte Maßnahmen ergriffen werden, setzt bei ihre Grenzen austestenden Jugendlichen ein entsprechender Erziehungseffekt ein. Hier sind klare Signale zu setzen, daß Gewalt und Straftaten in unserem Land nicht geduldet werden. Dieselbe Konsequenz ist selbstverständlich auch bei erwachsenen Straftätern anzuwenden. Hierzu sind keine schärferen Gesetze notwendig, sondern nur die konsequente Ausschöpfung der heute bereits vorhandenen gesetzlichen Möglichkeiten.
• Keine exzessive Gewaltdarstellung in den Medien: Nach einer Untersuchung aus dem Jahr 2002 enthalten fast 80 % aller Sendungen Gewaltdarstellungen, und dieser Prozentsatz dürfte sich seitdem kaum verringert haben. Gewalt wird alltäglich und führt so zur Abstumpfung. Muß es sein, daß ein Jugendlicher bis zum Erreichen des Erwachsenenalters bereits tausende von Morden und zigtausende von Gewaltdarstellungen gesehen hat? Die gleichen Medien, die Legalwaffenbesitzer diffamieren, verdienen ihr Geld mit der permanenten Darstellung von Gewalt.
• Vermittlung eines Werteverständnisses: Nur wenn Jugendlichen, aber auch Erwachsenen, Werte wie soziale Verantwortung und Respekt im Umgang miteinander vermittelt werden, kann sich auch ein Bewußtsein für Recht und Unrecht entwickeln.
• Soziale Integration von Jugendlichen: Die frühzeitige soziale Einbindung von Jugendlichen in eine intakte Familie und in außerfamiliäre Institutionen wie Vereine - dazu zählen gerade auch Schützenvereine - ist zu fördern. Eine solche Integration führt zur Erfahrung von gewaltlosen Konfliktlösungen, zur Übernahme von Verantwortung, zum Respekt vor anderen und zum Verständnis von Gewaltlosigkeit im Umgang miteinander.
• Konsequente Bekämpfung des illegalen Waffenhandels: Nach polizeilichen Schätzungen sind in Deutschland doppelt so viele illegale Waffen wie legale Waffen im Umlauf. Nachdem 97% aller Schußwaffendelikte mit illegalen Waffen begangen werden, ist hier der eigentliche Ansatzpunkt für mehr Sicherheit in unserem Land. Aber es ist für Politiker natürlich leichter, den nicht deliktrelevanten legalen Waffenbesitz einzudämmen als den illegalen Waffenhandel zu bekämpfen.
Sehr geehrter Herr Wölfle,
ich bin sehr “positiv” überrascht solch einen Bericht von ihrer Partei/Ihnen zu lesen, waren ihre “Kollegen” in letzter Zeit doch merklich anderer Meinung!
Jedoch muss ich auf einen kleinen Fehler hinweisen. Sie schreiben von:
“Schätzungsweise 30 Millionen Schusswaffen sind in ganz Deutschland registriert!”, dem ist aber nicht so!
Es gibt geschätzte 8 bis 10 Mio. legale/registrierte Waffen in Deutschland, und geschätzte 15 bis 20 Mio. ILLEGALE Waffen. Die hier angegebene (geschätzt durch das BKA!) Zahl an Waffen bezieht sich auf alle Waffen (legal/illegal!)!
Ich bitte Sie daher dies in weiteren Berichten in Zukunft zu berücksichtigen!
MfG…
Zum Beitrag von Thomas Büttner
Zuerst muss ich ganz deutlich sagen,der Mann hat Recht.Zumindest auf den ersten Blick.Es gibt bei seinem Beitrag aber ein paar Aussagen,die meinem Magen ein leichtes Unwohlsein entlocken.
1.Zitat
Strengere Waffengesetze entwaffnen keine Verbrecher, sondern ausschließlich gesetzestreue Bürger, die legal im Besitz von Waffen sind !
Deutschland hat heute bereits eines der strengsten Waffengesetze Europas und der Welt. Seit Anfang der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde das bis dahin sehr liberale Waffenrecht in Deutschland immer weiter verschärft. Seitdem haben bewaffnete Straftaten (mit illegalen Waffen) permanent zugenommen. Gewalt und Kriminalität - gerade unter Jugendlichen - haben permanent zugenommen. Die Gefahr, Opfer einer Straftat zu werden, hat für alle gesetzestreuen Bürger immer weiter zugenommen. Und dies alles trotz immer weiter verschärfter Waffengesetze.
Hier tritt mal wieder der klassische Fall von Äpel mit Birnen vergleichen ein.
Eine Zeit,die fast 40(!)Jahre zurückliegt,mit der heutigen zu vergleichen ist schlichtweg Unsinn.
Anfang der 70er Jahre lebte die unmittelbare Kriegsgeneration noch und die Nachkriegsgeneration hatte gerade den Höhepunkt ihres Darseins.
Das in dieser Zeit ,die meisten Menschen einen ganz anderen Umgang mit Waffen hatten,liegt ja wohl auf der Hand. Zu tief sassen die schrecklichen Ereignisse des 2.Weltkrieges in den Gedanken und Knochen dieser Menschen.
Auch hatten Arbeitsplatzabbau,Rationalisierung und sterben des Mittelstandes noch keine Relevanz(Und was zum Teufel ist Hartz IV ?)
Heute sieht die Lage doch etwas anders aus.
2.Zitat
……….Abstumpfung durch die Alltäglichkeit von Gewaltdarstellungen in den Medien, Realitätsverlust durch die Flucht in virtuelle Gewaltwelten …
Keine exzessive Gewaltdarstellung in den Medien: Nach einer Untersuchung aus dem Jahr 2002 enthalten fast 80 % aller Sendungen Gewaltdarstellungen, und dieser Prozentsatz dürfte sich seitdem kaum verringert haben. Gewalt wird alltäglich und führt so zur Abstumpfung. Muß es sein, daß ein Jugendlicher bis zum Erreichen des Erwachsenenalters bereits tausende von Morden und zigtausende von Gewaltdarstellungen gesehen hat?
Typisches verweisen auf ANDERE,die ja viel mehr Schuld haben,nicht wahr?
Gewalt wird alltäglich……….
Sollte ich nicht auch sagen,der regelmässige Umgang mit Waffen wird alltäglich und stumpft so ab,daß der eigentliche Respekt und die Gefährlichkeit selbiger in Vergessenheit gerät?
Muss es ein,daß ein Jugendlicher bis zum Erreichen des Erwachsenenalters,mit zig Schusswaffen hantiert hat und besser schiesst,als es der Allgemeinheit lieb ist?
Wer ein sachliches Umgehen mit seinem Hobby(oder was auch immer ) fordert ,der sollte nicht in die selbe Argumentation verfallen,wie es die ganzen “Spezialisten” tun,die er kritisiert.
Gruß
Frank
Zum Beitrag von Frank Mechler:
Zuerst einmal Danke, daß Sie sich mit diesem Beitrag auseinandergesetzt haben und in die Diskussion eingestiegen sind. Da der Beitrag von Thomas Büttner bis auf einige Änderungen im wesentlichen auf einem ursprünglich von mir stammenden Text, den ich zur freien Verwendung freigegeben habe, basiert, und ich auf die Diskussion aufmerksam gemacht wurde, erlaube ich mir, Ihnen hier zu antworten.
Zum 1. Zitat: Ja, hier haben Sie eindeutig Recht, daß in den 70er Jahren das Bewußtsein im Umgang mit Waffen ein anderes war. Ich bin in den 70er Jahren groß geworden und muß sagen, daß der ganze Umgang miteinander sicher spießbürgerlicher, aber eben deutlich gewaltloser war. In meiner Schulzeit haben wir uns auch mal gegenseitig verprügelt - was sich schlimmer anhört als es war und wahrscheinlich ganz normal ist, aber eben ohne Gewaltexzesse. Es gab mal ein paar Knuffe, ein paar Hiebe, aber spätestens, wenn der andere am Boden lag, war Schluß. Heute werden Auseinandersetzungen schon auf dem Schulhof mit Messern und anderen Waffen ausgetragen und wenn einer am Boden liegt, wird weiter auf ihn eingetreten und eingeschlagen - schlimmstenfalls bis der Notarzt kommt. Vor allem bedarf es heutzutage nur geringster Auslöser, vielleicht nur eines falschen Blicks zum falschen Zeitpunkt, um sinnlose und exzessive Gewalt auszulösen.
Daß die Zeiten ganz andere waren, ist sicher unbestritten. Aber hier sollte nur aufgezeigt werden, daß eben kein kausaler Zusammenhang zwischen restriktiven Waffengesetzen und abnehmender Gewaltkriminalität besteht - das Gegenteil ist der Fall. Durch die Politik, die aktionistisch und populistisch immer mehr Verbote, Verordnungen und Restriktionen im Bereich Waffenrecht (und nicht nur dort) erlässt, werden der breiten Masse nur vordergründige Scheinsicherheiten im Sinne einer Vollkaskomentalität versprochen, die sich in der Realität nicht einstellen, aber dafür sukzessive wieder ein kleines Stückchen Freiheitsrechte mehr beschneiden. Das sollte uns allen, egal ob Waffeninteressierter oder nicht, zu denken geben.
Zu Zitat 2: Nein, ich will damit nicht mit dem Finger auf andere zeigen, habe das aber offensichtlich mißverständlich rübergebracht. Mir geht es hier darum, an die wirklichen Ursachen der zunehmenden Gewalt heranzugehen. Es gibt etliche wissenschaftliche Untersuchungen, die aufzeigen, daß ein klarer Zusammenhang zwischen exzessivem multimedialen Gewaltkonsum und einer Abstumpfung gegenüber realer Gewalt besteht. Das heißt nicht etwa, daß jemand der virtuelle Gewaltwelten in Form von sogenannten “Killerspielen” am PC aufsucht oder Horrorfilme, in denen die Gewalt zum Selbstzweck degeneriert, konsumiert, nun unbedingt zur Gewalt neigt. Die Aussage ist vielmehr, daß bei entsprechendem überdurchschnittlichen Gewaltkonsum die reale Gewalt eher als etwas normales wahr- und hingenommen wird, was sich gerade auch durch unterbewußte Reaktionen zeigt.
Jugendliche sind nun viel empfänglicher für solche Gewaltexzesse als Erwachsene, erleben diese mediale Gewalt intensiver und zugleich prägender. Daraus möchte ich nun aber auf keinen Fall ableiten, daß man PC-Spiele oder Horrorfilme verbieten sollte und Filme zensieren sollte. Verbote sind in einer elektronisch vernetzten Welt sowieso sehr leicht zu umgehen, und vor allem: Sie sind keine Lösung, sondern werden nur wieder von denen als Lösung angepriesen, die bürgerliche Freiheiten beschneiden, den gläsernen Bürger schaffen und nicht an die tatsächlichen Ursachen der Gewalt herangehen wollen (oder können). Es ist m.E. nicht damit getan, daß man die Frage stellt, warum Jugendliche denn so etwas sehen müssen (das habe ich im obigen Text sicher ungeschickt formuliert), denn diese Suggestivfrage impliziert schon die Antwort und den Ruf nach einem Verbot. Vielleicht wäre statt dessen einmal zu hinterfragen, warum denn Jugendliche überhaupt so etwas sehen wollen. Warum flüchten sich Jugendliche überhaupt in virtuelle Welten, die nicht nur Gewaltwelten sein müssen? Haben wir - die Erwachsenen - ihnen nichts anderes zu bieten? Ist es für uns zu unbequem, uns mit Kindern und Jugendlichen selbst zu beschäftigen, indem wir gemeinsam mit ihnen ihr Interesse am realen Leben wecken? Ist es nicht einfacher für uns, die jungen Menschen in die Passivität des Medienkonsums abzuschieben als etwas mit ihnen zu unternehmen? Sport, wozu auch der Schießsport gehört, ist eine Möglichkeit von vielen, jungen Menschen zu zeigen, daß es mehr und schöneres gibt als stumpfsinnige, passive Medienberieselung - egal ob mit oder ohne virtuelle Gewalt. Warum zeigen wir den jungen Menschen nicht, daß die reale Welt schön sein kann und es sich lohnt, sich dafür auch einzusetzen, daß dies so bleibt?
Waffen haben für viele Jugendliche eine gewisse Faszination, was sich nicht abstreiten läßt. Wird der Zugang zu ihnen verboten, werden sie zu einem Symbol der Erwachsenenwelt. Man erhöht dadurch den Reiz und sorgt gleichzeitig für Nichtwissen im Umgang mit ihnen. Denn nicht Waffen sind gefährlich, sondern der sorglose, verantwortungslose und insbesondere kriminelle Umgang mit ihnen. Jugendliche, die verantwortungsbewußt an den Schießsport herangeführt werden und regelmäßig sportlich mit Waffen trainieren, wissen um die Gefährlichkeit, haben den nötigen Respekt vor ihnen, sehen in ihnen aber eben nichts Geheimnisvolles, weil der Reiz des Verbotenen entfällt.
Aber der Umgang von Jugendlichen mit Waffen sollte begleitet werden von verantwortungsbewußten Erwachsenen, was in jedem Schützenverein eigentlich selbstverständlich ist. Viele tausend Jugendliche gehen jede Woche dem Schießsport nach, lernen so bereits frühzeitig Verantwortung zu übernehmen, lernen die soziale Interaktion in einer außerfamiliären sozialen Gemeinschaft, dem Schützenverein, lernen mit Erfolgen und Niederlagen zu leben und - ganz wichtig - lernen auch, daß ihnen Vertrauen entgegengebracht wird. Aus einem Einzeltäter wie Tim Kretschmer nun auf die Masse von “ganz normalen” jugendlichen Schützen zu schließen, ist fatal und wird dem verantwortungsbewußten Umgang dieser jungen Schützen mit ihren Waffen nicht gerecht.
Obwohl es praktisch keine Gewalttäter unter aktiven jugendlichen Schützen gibt, wird das Einstiegsalter immer höher angesetzt. Gleichzeitig sterben hunderte, wenn nicht tausende junger Menschen durch die eigene oder die Selbstüberschätzung anderer im Straßenverkehr. Hier wird dann das Einstiegsalter immer tiefer angesetzt (Führerschein nun auch schon vor dem 18. Lebensjahr). Wo ist hier die Logik des Gesetzgebers? Damit will ich jetzt ausdrücklich nicht sagen, daß man im Bereich Verkehr restriktiver sein sollte, sondern nur einfordern, daß man auch im Bereich Waffen, in dem nachgewiesenermaßen so gut wie nichts vorkommt, ebenso liberale Maßstäbe anlegen sollte.
Ich akzeptiere und respektiere jeden, der mit Waffen nichts zu tun haben will, auch wenn sich mir die Rationalität einer Waffenphobie nicht erschließt, da es sich dabei um ein Werkzeug handelt, wie es auch ein Messer ist. Man kann Gutes und Schlechtes damit tun … wie mit einem Hammer, einem Auto, einem Strick und anderen toten Gegenständen, die an sich weder gefährlich noch gut oder böse sind. Ich wehre mich nur immer dagegen, daß es - vielleicht ist dies typisch deutsch - dann sofort darauf hinausläuft, daß man nach dem Motto agiert: “Ich interessiere mich nicht für Waffen, also müssen/dürfen sich auch andere nicht damit abgeben.” Die egozentrische Haltung, die in Auffassungen wie “man braucht doch keine Großkaliberwaffen”, “man braucht doch keine 10 Gewehre” steckt, zeugt von tiefster Intoleranz und dem Willen zur Uniformierung in Denken und Handeln. Was ist als nächstes dran auf dem Weg in die normierte Gesellschaft, wo jeder nur das tun und lassen darf, was politisch korrekt ist und dem durch Medien, Politiker und Ideologien geschaffenen Zeitgeist entspricht? Man braucht doch keinen Motorsport? Man braucht doch keine Motorradfahrer? Man braucht doch keine Heavy Metal Musik? Man braucht doch keine Kampfsportarten? Man muß doch nicht nach Mallorca in Urlaub fliegen?
Heute wurde berichtet, daß Paintball-Spiele verboten werden sollen. Ich habe kein Interesse an Paintball, stehe diesem Spiel auch nicht unbedingt positiv gegenüber. Ich habe auch kein Interesse an sogenannten “Killerspielen” am PC. Trotzdem trete ich hier auch für das Recht derjenigen, die sich dafür interessieren, ein, diesen Spielen nachgehen zu können. Wer seine eigenen persönlichen Interessen, seine Weltanschauung, seine gesellschaftspolitischen Visionen zum Maßstab für das macht, was anderen erlaubt und verboten ist, legt ein bemerkenswertes Demokratieverständnis an den Tag, das mich eigentlich an andere Zeiten erinnert. Noch dazu, wenn objektive Fakten dagegen sprechen, weitere restriktive Gesetze zu erlassen.
Wenn manche fanatischen Waffengegner ohne eigene Sachkenntnis und Erfahrung mit dem Schießsport, deren Abneigung vorrangig durch Emotionen oder Ideologien bedingt sind, bereit wären, ein klein wenig von ihren Vorurteilen abzurücken und sich mit Schützen einfach einmal unterhalten würden, ja auch einmal die Probe aufs Exempel machen würden, etwas von der Faszination z.B. des Großkaliberschießens selbst zu erfahren, wäre dies ein erster Schritt zu mehr gegenseitigem Verständnis, dem Abbau von Vorurteilen und Ängsten. Vielleicht auch zu der überraschenden Erkenntnis, daß es “die” Schützen gar nicht gibt, daß fast jeder Schützenverein mit seinen Mitgliedern ein Spiegelbild der Gesellschaft ist, mit unterschiedlichsten politischen Ansichten, unterschiedlichsten Weltanschauungen, unterschiedlichen Lebensjahren und -erfahrungen.
Ich werde wohl nie die Gelegenheit bekommen, einem Menschen, der Waffen ablehnend gegenübersteht, davon etwas im wirklichen Leben zu zeigen und nahezubringen, denn bei den meisten Waffengegnern ist - zumindest ist dies meine persönliche Erfahrung - zuviel Ideologie im Spiel, die sich an den eigenen Vorurteilen nährt und keine eigene reale Erfahrung im Umgang mit Waffenbesitzern oder gar Waffen selbst duldet. Vielleicht könnte es ja sein, daß man durch eigene Erfahrungen die eigenen Vorurteile hinterfragen müßte? Unsachlichkeit im Umgang miteinander, Lagerdenken und Intoleranz sind die Folgen. Schade eigentlich …
Gruß, Ralf
Lieber Herr Büttner, lieber Herr Brauer,
inhaltlich kann ich manches Ihrer Argumente nachvollziehen, die meisten Ihrer Ansichten teile ich aber nicht. Insbesondere die Ihre Beiträge durchziehende implizite Forderung, der „normale, gesetzestreue Bürger“ müsse das Recht haben, sich aufzurüsten, damit er sich gegen Verbrecher zur Wehr setzen kann, steht im Widerspruch zur Idee des Rechtsstaates und des staatlichen Gewaltmonopols. In dieser Form wird Ihre Auffassung meines Wissens nach auch nur noch von der NRA (National Rifle Association) in den USA geteilt.
Das störende an Ihrer Argumentation ist aber vor allem die Art und Weise, wie Sie all diejenigen, die sich nach den furchtbaren Ereignissen von Winnenden und Eislingen kritisch zu Waffen und zum deutschen Waffenrecht äußern, in Ihren Beiträgen verunglimpfen (einige Zitate aus Ihren Beiträgen: „inkompetente und praxisunerfahrene Politiker“, „Diffamierungen und realitätsferne Forderungen“, „Tatsachenverdrehende, ideologisch geprägte Diffamierungskampagnen“, „aktionistisch und populistisch“, „Vollkaskomentalität“, „zeugt von tiefster Intoleranz und dem Willen zur Uniformierung in Denken und Handeln“ usw. usf.). Ihr Bedauern über „Unsachlichkeit im Umgang miteinander, Lagerdenken und Intoleranz“ kann man angesichts Ihrer eigenen Wortwahl nur noch als Heuchelei empfinden.
Zu den Fakten:
- Der Mörder von Erfurt kaufte seine Tatwaffen auf Grundlage einer Waffenbesitzkarte, die er als Mitglied eines Schützenvereins erworben hatte. Dass er bei den Eintragungen in der Karte gegen geltendes Recht verstieß, ändert nichts an der Tatsache, dass der Verkauf der Tatwaffe an ihn legal war.
- Der Mörder von Winnenden benutzte für seine Morde die legalen Waffen seines Vaters, eines Sportschützen.
- Die Mörder von Eislingen beschafften sich ihre Mordwaffen durch einen Einbruch in der Schützengilde Eislingen. Wenn diese Schützengilde nicht in der Lage ist, Waffen und Munition einbruchsicher zu verwahren, müssen sich auch andere Schützenvereine und die Sportschützen selbst kritische Fragen gefallen lassen.
Vor diesem Hintergrund und angesichts der 37 Menschen, die allein bei diesen Ereignissen zu Tode kamen, ist es das Recht jedes Bürgers und die Pflicht jedes Politikers, ohne Scheuklappen, ohne Tabus und ohne Rücksichtnahme auf Einzelinteressen und Lobbyisten darüber nachzudenken, wie man Bürgerinnen und Bürger in Zukunft vor solchen Taten schützen kann. Als Ehemann einer Lehrerin, als Vater und als Kommunalpolitiker lasse ich mir jedenfalls von niemanden den Mund verbieten, nur weil ich nicht selber Waffenbesitzer oder Mitglied eines Schützenvereins bin.
Die Experten und Fachleute in diesen Fragen sind im Übrigen mit Sicherheit nicht die Waffenhersteller, -händler oder –besitzer und auch nicht die Sportschützen, sondern Kriminologen, Innenpolitiker, Pädagogen, Psychologen und vielleicht noch der eine oder andere Jurist.
Hallo Herr Stopper,
ich kann eigentlich nicht erkennen, daß ich geschrieben hätte, daß jeder “normale, gesetzestreue Bürger” das Recht haben sollte, Waffen zu besitzen, um sich gegen Verbrecher zur Wehr zu setzen. Wenn das der primäre Zweck des privaten Waffenbesitzes wäre, hätten wir Zustände, die nicht nur mich langsam an eine Verlegung meines Wohnsitzes ins Ausland denken lassen würden. Aber ich bin der Auffassung, daß jeder Bürger, der Interesse am Schießsport, der Jagd oder am Aufbau einer technisch orientierten Waffensammlung hat, das Recht haben sollte, dies auch in einem kontrollierten Rahmen zu tun. Bereits heute sind hierfür Voraussetzungen notwendig, die zu den restriktivsten Regelungen in Europa und der Welt zählen, z.B. Waffensachkundeprüfung, Mindestdauer einer Vereinsmitgliedschaft, Bedürfnisnachweise, regelmäßige Überprüfungen durch die Ordnungsämter, u.v.m.. Diese Regelungen sind, wenn sie denn angewandt und kontrolliert werden, ausreichend für die Gewährleistung von Sicherheit auf der einen und persönlicher Freiheit des einzelnen auf der anderen Seite. Weitere Verschärfungen sind hier nicht notwendig.
Der Kampf gegen Verbrecher ist sicherlich nicht Aufgabe des normalen Bürgers, aber bereits heute stehen jedem Bürger Notwehrrechte gegenüber Straftätern zu, die wohl niemand beschneiden möchte und die ein grundlegendes rechtsstaatliches Prinzip sind. Von daher kann ich nicht nachvollziehen, wieso ein Bürger, der ggf. sein Recht auf Selbstverteidigung wahrnehmen möchte, den Rechtsstaat in Frage stellt. Zudem frage ich mich dann, weshalb z.B. Landtags- und Bundestagsabgeordneten bei Bedarf ein Waffenschein, also die Berechtigung zum Führen einer Waffe, erteilt wird, während dies für den “normalen” Bürger nicht möglich ist? Im Gegensatz zu “normalen” Bürgern werden unsere Politiker nicht nur hinreichend auf Kosten des Steuerzahlers mit Personal und Sachmitteln geschützt, sondern sind in den letzten Jahrzehnten auch kaum einer höheren Gefährdung ausgesetzt gewesen als der “normale” Bürger, dessen Gefährdung durch Straftäter der Entwicklung der Kriminalstatistik entnommen werden kann. Warum also diese Ungleichbehandlung? Sind Politiker mehr wert oder schützenswerter als der “normale” Wähler?
Das von Ihnen angesprochene staatliche Gewaltmonopol ist zwar sicher nicht in Frage zu stellen, aber durch das Verhalten von Straftätern faktisch nicht mehr überall bei uns vorhanden. In vielen Städten haben sich bereits rechtsfreie Räume und No-Go-Areas etabliert, in denen die Polizei als Gewaltmonopolist im Inneren mehr oder weniger kapituliert hat. Zudem könnte man - auch wenn dies ein wenig polemisch klingt - anmerken, daß durch staatliche Gewaltmonopole täglich mehr Menschen getötet werden als durch alle privaten Legalwaffenbesitzer in vielen Jahren. Aber das ist eigentlich ein ganz anderes Thema …
Ebenso möchte ich darauf hinweisen, daß ich nicht, wie sie schreiben, “all diejenigen” verunglimpfe, die sich kritisch zu Waffen und zum Waffenrecht äußern. Ich habe mich nie auf “alle” Kritiker des Waffenrechts, sondern immer immer nur auf diejenigen bezogen, die sich inkompetent, unsachlich und praxisunerfahren äußern und dabei Millionen gesetzestreuer Bürger unter Generalverdacht stellen, denn das nenne ich mit Recht Diffamierung. Die Kampagne des “Spiegel” spricht z.B. Bände für eine tendenziöse Darstellung, die eines kritischen, aber objektiven Journalismus unwürdig ist. Ich zitiere hier eine andere Publikation, die die Spiegel-Ausgabe zum Thema Privatwaffen sehr treffend charakterisiert hat:
“Nun also zehn – man kann es nicht anders lesen: gehässige – Seiten über böse Schützenbrüder, gemeingefährliche Weidmänner und finstere Sportschützen. … Die Wortwahl von Sontheimer und den 14 Cos spricht für sich: „Schießprügel“, „Mordwerkzeug“ und „Wumme“ seien Waffen, als „grauenhafte“, „waffenstarrende“, „schneidige Worte“, „scharfer Wind“ und „Gift und Galle“ werden Gegenargumente bezeichnet, Jäger werden zur „Privatarmee“ und Waffenbesitzer zu „Fetischisten“ und „Waffenfreaks“.”
Denken Sie nicht, daß hier tendenziös und unsachlich Meinungsmache betrieben wird, wie in vielen anderen Darstellungen von Medien und Politikern auch? Ich spreche vielen Waffengegnern die Sachkompetenz ab und bezeichne viele als intolerant und von reiner Ideologie motiviert. Das mag man zwar nicht teilen und es mag sogar falsch sein, aber das sind Einschätzungen, die nicht den anderen als Menschen herabwürdigen. Schützen, Jäger und sonstige Legalwaffenbesitzer werden dagegen von sehr vielen Gegnern nicht auf der Sachebene, sondern moralisch und menschlich herabgewürdigt, was sich auch bei der Wortwahl widerspiegelt. Den anderen als Narr oder Fetischist zu bezeichnen, Waffen als grundsätzlich böse Gegenstände darzustellen, die vor allem für Mord und Totschlag verwendet werden, diese Art von Sachlichkeit findet sich offensichtlich fast ausschließlich auf Seiten der Waffengegner.
Sie schreiben dann noch, daß Sie sich nicht den Mund verbieten lassen würden, nur weil Sie nicht Waffenbesitzer oder Schützenvereinsmitglied wären. Wo sollte ich Ihnen den Mund verboten haben? Wenn es mir nicht darum gehen würde, auch mit Waffengegnern zu sprechen, dann würde ich wohl kaum meine Zeit opfern und hier auf dieser Website versuchen, mit Ihnen und anderen zu diskutieren. Daß es kaum möglich ist, einen eingefleischten Waffengegner von der Irrationalität seiner Ängste zu überzeugen, ist mir natürlich bewußt. Aber es wäre ja schon ein Erfolg, wenn man zumindest ein wenig Verständnis für den anderen und die Bereitschaft, sich mit den realen Gegebenheiten beim Sportschießen zu beschäftigen, wecken könnte.
Übrigens sind auch wir Legalwaffenbesitzer keine verschrobene Gemeinschaft von kleingeistigen und moralisch wie geistig minderbemittelten “Waffennarren”, die ihre Komplexe mit dem “Fetisch Waffe” kompensieren und keine anderen Interessen haben als zu “Ballern”, sondern wir sind ebenso wie Sie Ehepartner, Eltern, Großeltern und stehen in der Mitte dieser Gesellschaft. Sie können mir glauben, daß auch bei uns Legalwaffenbesitzern darüber diskutiert wird, wie man solche Taten wie in Winnenden verhindern kann (was allerdings faktisch nicht möglich sein wird), da auch jederzeit unsere eigenen Kinder oder Enkel von solchen Verbrechen betroffen sein könnten. Wenn Millionen von Legalwaffenbesitzern derart verantwortungslos handeln würden, wie dies der Vater des Amokläufers von Winnenden getan hat, müßte es dann nicht viel mehr Straftaten mit Legalwaffen geben? Zeigen die 3% Anteil von Legalwaffen an Schußwaffendelikten denn nicht auch, daß dieses Verantwortungsbewußtsein schon in höchstem Maße vorhanden ist?
Die Millionen Legalwaffenbesitzer in diesem Land stellen allerdings m.E. sehr wohl Experten auf diesem Gebiet dar, nicht nur weil sie schon seit Jahren Leidtragende eines immer restriktiveren Waffengesetzes sind, sondern weil sie die Rahmenbedingungen eines geregelten und sicheren Umgangs mit Waffen und die schießsportliche Praxis kennen. Sollte man als Politiker nicht vor allem mit den Betroffenen reden, sich auch einmal deren Sachverstand zu nutze machen, um praxisnahe und gerechte Gesetze zu schaffen? Kommt die Politikverdrossenheit in unserer Gesellschaft - und da will ich mich gar nicht ausnehmen - nicht auch gerade daher, daß unsere Politiker oft ohne Verständnis für die von politischen Entscheidungen betroffenen Bürger und die reale Praxis agieren? Ergebnisoffene Diskussionen - vor allem mit den Betroffenen von Gesetzen - wären sicherlich sachdienlicher und würden auch die Akzeptanz politischer Arbeit in diesem Land wieder fördern.
Selbstverständlich können Politiker auch einfach weiter an der Gesetzes-, Verordnungs- und Verbotsspirale drehen, ohne sich um die Betroffenen zu kümmern. Selbstverständlich müssen keine objektiven Fakten bei der Gesetzgebung Beachtung finden. Selbstverständlich kann man Waffenbesitzern auch das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung nehmen, das man ansonsten jedem Schwerkriminellen zugesteht. Selbstverständlich kann man über Waffenbesitzer “verdächtige” Meinungsäußerungen sammeln und speichern, wie man das aus anderen Systemen kennt. Selbstverständlich kann man Millionen Menschen in diesem Land moralisch ausgrenzen und sie an der Ausübung Ihrer Interessen per Dekret einschränken oder hindern. Selbstverständlich kann man jede weitere Einschränkung von Freiheitsrechten mit einem Zugewinn an Sicherheit begründen, wie dies in den letzten Jahren kontinuierlich geschehen ist.
Ja, das ist alles wirklich sehr leicht zu machen durch den Gesetzgeber, das kostet nur ein paar Unterschriften. Aber denken Sie, daß damit Verständnis für und Vertrauen in ein politisches System gefördert werden? Freiheit wagen, das heißt auch, ein Land nicht mit Verordnungen und Verboten zuzunageln, sondern vor allem auf das Verantwortungsbewußtsein jedes einzelnen zu setzen, insbesondere dann, wenn die Sachlage gegen Verbote spricht. Daß nicht jeder einzelne diesem Vertrauen und der Verantwortung gerecht wird, läßt sich nicht verhindern, denn es hat schon immer und wird auch immer einzelne Menschen geben, die gegen Verbote verstoßen. Wer die totale Sicherheit (zumindest versprochen) haben will, der muß auch die totale Kontrolle und Überwachung durch den Staat akzeptieren. Der muß auch akzeptieren, daß dabei Millionen, die sich eigentlich gesetzeskonform verhalten, in ihren Rechten und Freiheiten eingeschränkt werden.
Wir Legalwaffenbesitzer sind durchaus bereit, mit Waffengegnern zu diskutieren und gemeinsam zu überlegen, wie man ein Mehr an Sicherheit erreichen kann. Aber wir sind eben nicht bereit, uns so darstellen und moralisch abqualifizieren zu lassen, wie dies momentan gerade üblich ist. Ich würde mir wirklich wünschen, wenn einmal ein Politiker wie Sie ganz offen sagen würde: “Eigentlich habe ich eine Abneigung gegen Waffen, aber zeig mir mal, was Ihr Schützen tatsächlich so macht. Zeig mir mal, was Ihr für komische, gefährliche Typen seid. Laß mich mal ausprobieren, ob ich mit einer Waffe auch treffen könnte und laß mich dabei auch mal selbst einschätzen, was für Euch den Reiz dieses Sports ausmacht.”
Sie wären vielleicht erstaunt, wie “normal” und verantwortungsbewußt wir Schützen eigentlich sind … und daß wir nicht alle mit dem Revolver unter dem Kopfkissen zu Bett gehen. ;-)
Hallo zusammen!
Nur zwei kurze Anmerkungen:
1) Die Diskussion am Anteil legaler Waffen an den “Schusswaffendelikten” aufzuhängen verstellt den Blick auf die relevanten Sachverhalte, denn den größten Anteil in dieser Statistik machen die sog. “erlaubnisfreie Waffen” (z. B. Schreckschusswaffen) aus. Auf diese Weise wird der Anteil der legalen, gefährlichen Waffen in der Statistik verwässert. Zusätzlich zur Art der Waffe wird diese Statistik auch noch durch die Art der Delikte verwässert. Denn auch das bloße Drohen mit einer ungeladenen Waffe oder gar das illegale Schießen eines Rehs sind Schusswaffendelikte. Das ändert aber nichts daran, dass der Anteil der legalen Waffen an Straftaten, bei denen tatsächlich jemand zu Tode kommt erheblich höher ist als 3%. Bei Amokläufen sind es wie man hier nachlesen kann sogar bis zu 95%.
2) Zur Frage, wie wir die nötigen zusätzlichen Kontrollen finanzieren, würde ich vorschlagen sich ein Beispiel an den Hunden zu nehmen. Hundebesitzer zahlen Hundesteuer, um die Kosten zu decken, die der Allgemeinheit durch ihren Hund entstehen. Entsprechend sollten Waffenbesitzer eine Steuer oder Abgabe zahlen, aus der die Kontrollen finanziert werden.
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