Lust auf Stadt. Bündnis 90/Die Grünen bei der Kommunalwahl Stuttgart 2009.
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Kinder brauchen Platz zum Spielen

von Thekla Walker 06.05.09, 08:38 Uhr

Was brauchen Kinder in der Stadt - Teil 2

Heute kann man in der Stuttgarter Zeitung wieder nachlesen, wie schlecht es in Wirklichkeit um unser „Kinderland“ bestellt ist. Es wird viel versprochen, aber wenn es darum geht, wirklich Geld in die Hand zu nehmen, um zum Beispiel die wichtige und meistens hochengagierte Arbeit der Erzieherinnen besser zu bezahlen, wird es schnell schwierig.
Barbara Thurner-Fromm schreibt heute zu Recht in ihrem Leitartikel „Kinderland – auf dem Papier“, dass angesichts der vielfältigen Probleme, die Kinder haben, Erzieherinnen nicht alles alleine auffangen können: „Kinder lernen im Wald und bei der Feuerwehr, beim Beobachten von Vögeln, auf einer Baustelle, sogar wenn sie ausgiebig in Pfützen hüpfen dürfen.“

Alles Dinge, die Kinder übrigens gerne in ihrem direkten Wohnumfeld tun würden, auch wenn sie in der Stadt leben. Nur ist die Frage – wenn der Autoverkehr immer Vorrang hat und Parks und Grünflächen vor allem schön aussehen sollen statt bespielbar zu sein – wo alle diese Plätze für eigene, lebensnahe Erfahrungen in dieser kinderfreundlichen Stadt sind?

Wir Grünen meinen, dass Familien mit Kindern dann „Lust auf Stadt“ haben, wenn es genügend Spielräume für Kinder gibt. Da gibt es in Stuttgart noch einiges zu tun. Denn Kinder haben ein Recht auf eine „kindgerechte Umwelt“, das gilt für Wohnung, Wohnumfeld, Freiraum, soziale Einrichtungen und nicht zu vergessen Landschaft.

Naturnahe Spielräume in der Stadt

Kinder möchten spielen, sie brauchen „freie Räume“, in denen sie selbst gestalten können, unbeobachtet von Pädagogen und Eltern. Die Neurobiologie bestätigt, dass Kinder für ihre gesunde Entwicklung Bewegung und Möglichkeiten zur freien Gestaltung in einem natürlichen Umfeld brauchen. Es hat sich in verschiedenen Untersuchungen gezeigt, dass das Spielverhalten von Kindern in naturnah gestalteten Räumen und in der „wilden Natur“ vielfältiger und kreativer ausfällt als auf konventionellen Grünanlagen oder Spielplätzen.

Es ist gut und an einigen Stellen überhaupt der erste Schritt, wenn Bolzplätze und auch schön gestaltete Spielplätze eingerichtet werden. Aber auch mitten in der Stadt könnte es sich um der Kinder willen lohnen, in der Wohnumgebung mehr Natur-Spielräume zu schaffen. Damit sind ganz eindeutig ungestaltete Grünräume gemeint, in denen man graben, mit Naturmaterialien bauen, matschen und sich verstecken kann. Bei einer Elternumfrage im Rahmen eines Forschungsprojekts über Naturerfahrungsräume im besiedelten Bereich stellte sich heraus, dass Eltern sehr wohl zwischen gestalteten und ungestalteten Grünflächen unterscheiden können. Fast alle Eltern lehnten die Vorstellung ab, Naturerfahrungsräume seien überflüssig, wenn es genügend gestaltete Grünanlagen, Spiel-, und Sportplätze gibt. Im Gegenteil: Eltern und auch Kinder wünschen sich diese Flächen, und zwar mitten in der Stadt. Es geht nicht darum, Kinder wieder extra zu einem besonderen Angebot irgendwo hinzufahren, was wiederum die bildungsnahen Eltern und ihre Kinder priviligieren würde.

Spielräume müssen eingeplant werden

Wenn es im direkten Lebensumfeld der Kinder diese Räume geben soll, muss die Kommune Flächen dafür ausweisen und einplanen. Aus meiner Sicht sollte man auch mal darüber nachdenken, ob man nicht in bestehenden Grünanlagen und Parks vermehrt kindgerechte Veränderungen vornimmt, die unreglementiertes Spielen und Entdecken erlauben. Auch bei Schulen und anderen Bildungseinrichtungen sollte man in der Planung der Außengelände die Vorteile solcher naturnahen Spiel-Räume bedenken und damit einen Beitrag für eine kindgerechte Umgebung in den jeweiligen Stadtbezirken leisten.

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