
von Jochen Stopper 03.06.09, 11:45 Uhr
Rund um die Paulinenbrücke tut sich was! Nach der Schließung der Tankstelle ist mit den Plänen zur Neugestaltung des Rupert-Mayer-Platzes, den Vorhaben von Württembergischer Versicherung und Hochtief und nicht zuletzt auch mit der Diskussion um den Abriss der Paulinenbrücke einiges in Bewegung geraten.
Eine gewaltige Chance für ein Quartier, dem durch die Verkehrs- und Stadtentwicklung der Vergangenheit übel mitgespielt wurde. Es besteht die einmalige Gelegenheit, das gesamte Quartier aufzuwerten, verkehrlich neu zu ordnen und wirksam zu beleben.
Leider sind Stadtverwaltung, Gemeinderatsmehrheit und Investoren gerade dabei, diese große Chance leichtfertig zu verspielen und dem Quartier um die Paulinenbrücke mit völlig ungeeigneten Planungen mehr Schaden als Nutzen zuzufügen. Im Mittelpunkt der bisher vorgelegten Planungen stehen eindeutig nur die kurzfristigen Profitinteressen der Investoren, das Wohl der Anwohner und Beschäftigten, der Einzelhändler und Kunden, der Kirchgänger und Schüler bleibt unberücksichtigt.
Die Planungen an der Paulinenbrücke sind symptomatisch für die städtebauliche Entwicklung Stuttgarts in den letzten Jahren. Sowohl das Projekt „Quartier S“ als auch das geplante Hochtief-Gebäude auf dem heutigen WGV-Gelände stehen für einen Städtebau, dem es an Maß und Ziel, an stadtgestalterischen Ambitionen und vor allem an Interesse an sozial und ökologisch innovativen Lösungen fehlt. Beide Projekte stehen wie so viele Vorhaben der Vergangenheit für einen von Investoren diktierten Städtebau, der aus jedem Quadratzentimeter Boden den maximalen Profit herauszupressen versucht, ohne Rücksicht auf Mensch und Natur in der Umgebung.
GRÜNE Forderungen zu den Vorhaben an der Paulinenbrücke:
Auch wenn es sich bei den Vorhaben um Projekte privater Investoren handelt, hat die Politik sehr wohl die Möglichkeit, eigene städtebauliche Ziele durchzusetzen. Sie muss es nur wollen!
Als Instrumente stehen der Kommune beispielsweise der Bebauungsplan, städtebauliche Verträge oder das Raumordnungsverfahren zur verfügung.
Wir GRÜNEN haben uns im Gemeinderat und in den beteiligten Bezirksbeiräten deshalb energisch dafür eingesetzt, die Vorhaben in ihrer Masse zu reduzieren, höhere Wohnanteile vorzusehen, die verkehrlichen Belastungen von der Tübingerstraße fernzuhalten, möglichst viele Bäume zu erhalten und die Planungen wenigstens ansatzweise auf eine Spur zu bringen, die den ökologischen und sozialen Anforderungen einer nachhaltigen städtebaulichen Entwicklung gerecht wird. Dies werden wir auch im weiteren Verfahren und bei anderen Bauvorhaben in der Stadt tun!
Grüne, zeigt mir wer Ihr seid!
Ich bin mühsam auf der Suche nach einem Profil von Euch, mit dem ich leben kann, aber ich muss es nicht unbedingt finden - es wäre halt schön. Ich halte von Ökologie und Multi-Kulti verdammt viel, aber ich bin gegen ideologisch verfärbte Einäugigkeit. Das erstmal grundsätzlich.
Es entsteht nämlich nicht nur bei mir folgender Eindruck von Euch, auch nach Lektüre Eures Online-Programms, der folgende Fragen aufwirft:
- Investoren und Unternehmer sind grundsätzlich böse und schlecht zu bewerten, wenn sie nicht aus der ökologischen Ecke kommen.
Entsprechend hat man sie ranzunehmen, auszubremsen, zu verhindern, ihren Spielraum entscheidend einzugrenzen, und wenn das auf Kosten von Arbeitsplätzen geht - dann seien das eben nicht vermeidbare Opfer einer konsequenten Umweltpolitik.
=> Wollt Ihr Euch somit zu Gegnern aller anderen existenten und künftigen Branchen in Stuttgart erklären?
- Ab sofort solle keine unbebaute Fläche mehr bebaut werden. Es reiche also nicht, auf Frischluftschneisen zu achten, sondern generell - stopp?
- Was stellt Ihr Euch unter Lebensqualität vor? Was meint Ihr mit Multi-Kulti wirklich? Meint Ihr mit Multi-Kulti lediglich die unterschiedlichen geografischen Herkünfte, oder könnt Ihr auch Lebensstile akzeptieren, die sich nicht strikt an Öko-Optimierung orientieren, so wie Eure eigenen? Für den Fall, dass Ihr Letzteres nicht akzeptieren könnt, hiesse das einen Umerziehungs-Prozess der Leute einzuläuten, der nicht auf Überzeugung sondern im Zweifel auf Zwang beruht, gerechtfertigt durch das übergeordnete Ziel.
- Wollt Ihr heute Straßen stilllegen und morgen die Festlichkeiten z.B. auf dem Schlossplatz kappen, um einer akustischen Umweltverschmutzung entgegen zu wirken? Wann sind die Liegewiesen im Schlossplatz keine Liegewiesen mehr, sondern ausschließlich Naturräume?
Ich bitte Euch, mir auf diese Fragen ehrlich zu antworten. Schließlich muss man ja künftig mit Euch wohl vermehrt rechnen.
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