
Familien ziehen wieder in die Stadt, wenn ihnen das direkte Lebensumfeld eine hohe Aufenthaltsqualität für sie selbst, ihre Kinder als auch Großeltern bietet. Grünanlagen, Parks, Spielflächen und Spielplätze machen ein Wohngebiet attraktiv.
Besonders die Innenstadtbezirke Stuttgarts sind nach wie vor mit attraktiven Spielflächen für Kinder und Jugendliche deutlich unterversorgt – ein klarer Standortnachteil!
Der klassische Spielplatz mit wartungsintensiven Spielgeräten ist in Herstellung und Unterhalt aufwändig und teuer. Dementsprechend kommt der Ausbau der Spielflächen in Stuttgart auch nur schleppend voran.
Dabei haben wissenschaftliche Untersuchungen in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, dass vor allem die Beschaffenheit des Geländes an sich über die Qualität einer Spielfläche entscheidet und weniger die dort vorhandenen Spielgeräte. Gerade naturbelassene Flächen in der Stadt, v. a. in der Nähe von Wohngebieten, laden Kinder und Jugendliche dazu ein, eigenständig und kreativ zu spielen und dabei gleichzeitig ein Stück Natur kennen zu lernen.
Von Pädagogen und Landschaftsarchitekten wurde dazu das Konzept der städtischen Naturerfahrungsräume (NER) entwickelt. Das Konzept sieht eine naturbelassene bzw. entsprechend gestaltete Fläche in unmittelbarer Wohnumgebung ohne Spielgeräte oder ähnliches vor, die von Kindern frei als Spielraum genutzt werden kann.
Neben Freiburg, Karlsruhe und Nürtingen hat auch Stuttgart 2002-2004 im Rahmen eines Forschungsprojektes der Stiftung Naturschutzfond Baden-Württemberg modellhaft an der Erprobung und Evaluation dieser Spielräume (Gebiet Obere Ziegelei) teilgenommen. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass die Naturerfahrungsräume von der überwiegenden Mehrheit der Eltern und Kinder positiv bewertet werden. Fast alle befragten Eltern lehnten zum Beispiel die Vorstellung ab, Naturerfahrungsräume seien überflüssig, wenn es genügend gestaltete Grünanlagen, Spiel- oder Sportplätze gibt. Das Konzept sollte deshalb im Sinne der Kinder und einer attraktiven Stadtentwicklung weiter verfolgt werden.
1. Die Verwaltung berichtet in einer der nächsten Sitzungen des Jugendhilfeausschusses über die Ergebnisse und Erfahrungen des „NER“-Projekts in Stuttgart und was daraus geworden ist.
2. Der am Projekt beteiligte Sachverständige und NER-Experte Dr. H. – J. Schemel vom Büro für Umweltforschung, Stadt- und Regionalentwicklung in München wird zu dieser Sitzung des Jugendhilfeausschusses eingeladen, um über Konzeption, Umsetzungsmöglichkeiten und Erfahrungen mit den NERs zu berichten.
3. In der gleichen Sitzung berichtet ein Vertreter des Amtes für Stadtplanung und Stadterneuerung, welche städtischen Flächen für die Umsetzung von Naturerfahrungsräumen in Frage kommen. Unter anderem wird dargestellt, – ob die Einrichtung eines NER auf dem Gebiet der ehemaligen Kleingartenanlagen entlang der westlichen Seite der Thomastraße ermöglicht werden kann, und – ob im Gebiet Unteres Kienle die Einrichtung eines Naturspielraums in Frage kommt.
4. Außerdem berichtet die Verwaltung, wie im Rahmen der Neugestaltung des ehemaligen Geländes der Messe Killesberg ein NER umgesetzt werden kann. Da in unmittelbarer Umgebung neue Wohnungen auch für Familien und eine Kita entstehen sollen, wäre ein NER dort ideal platziert.
Thekla Walker, Jochen Stopper, Werner Wölfle