
Die Bahn plant beim Projekt Stuttgart 21 die Menge des abzupumpenden Grundwassers auf das Doppelte zu erhöhen. Eine ausführliche und nachvollziehbare Begründung scheint bisher auch dem Stadt Stuttgart nicht vorzuliegen.
Das Abpumpen der doppelten Wassermenge führt zur Annahme, dass hier im Nesenbachtal mehr Grundwasser ansteht als bisher angenommen und auch für den Bau der unterirdischen Bauanlagen abgepumpt werden muss.
Im Nahbereich des Projekts Stuttgart 21 stehen jedoch einige Bestandsbauten von hohem kulturellem und auch finanziellem Wert. Diese stehen seit vielen Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten in dem je nach Jahreszeit variablen Grundwasserspiegel des Nesenbachtals. Ein Absenken des Grundwasserspiegels im Tal hat sicher zur Folge, dass sich hier Auswirkungen auf diese Gebäude, insbesondere die Fundamentierung und die Standfestigkeit zeigen. Bei der doppelt abzupumpenden Wassermenge jetzt mehr denn je.
Ist doch seit Jahren bekannt, dass die schwankenden Grundwasserpegel den Gebäuden Probleme bereiten. So fällt im ehemaligen Heizkesselraum des Staatstheaters je nach Jahreszeit begrenzt Wasser ein. Ebenso sind die Hebungen und Senkungen des Grundwasserspiegels u.a. im Bereich der Terrassenkonstruktion am Großen Haus zu beobachten.
Auch die Maschinerien der beiden Staatstheatergebäude gründen in diesem Bereich und sind nicht unanfällig gegen Senkungen. Eine Änderung des Wassergehalts des Untergrunds ändert auch dessen Bodenkennwerte und damit dessen Tragfähigkeit. Partielle Austrocknungen lassen sich hier sicher nicht verhindern. Bedeutend für die Fundamente und die Standfestigkeit bestehender Gebäude.
Auswirkungen durch die Absenkung des Grundwassers an Gebäuden, Straßen, Tunnel oder Bäumen sind bisher nicht auszuschließen. Eine Erhöhung der Absenkung führt zur Annah-me, dass sich diese Auswirkungen noch verstärken. Eine Klärung dieser möglichen Auswirkungen im Vorfeld ist dringend notwendig.
Bei der Beurteilung des Antrags der Deutschen Bahn zur Erhöhung der Grundwasserentnahmemenge sind, unabhängig von der Frage nach der möglichen Gefährdung des Mineralwassers, folgende Fragestellungen ebenfalls zu betrachten und beantworten:
Gibt es aktuelle hydrologische-geologische Untersuchungen zu den geplanten neuen Maßnahmen?
Peter Pätzold, Werner Wölfle