
Ellenlange Wartelisten, doppel-, dreifach- und sogar zehnfach-Anmeldungen sind an der Tagesordnung, wenn junge Eltern einen Kitaplatz für ihre Kinder suchen. Aus der Not heraus dringend einen Platz finden zu müssen, ist schon der Normalfall geworden. Um die Chancen zu erhöhen, meldet man sich in möglichst vielen Einrichtungen an. Trotzdem gibt es nach wie vor einige Eltern in Stuttgart, die keinen Platz für ihre Kinder finden. Umso erstaunlicher ist es, dass zum Beispiel vergangenen Sommer doch noch 4,5 Prozent der Plätze in Stuttgart unbesetzt geblieben sind. Angesichts der immer noch mangelnden Kapazitäten bei gleichzeitig wachsendem Bedarf der Eltern nach Betreuung sollte wenigstens ein transparenter und eindeutiger Weg zur Anmeldung und Platzvergabe geschaffen werden.
Ein Abgleich der Wartelisten ist daher im Sinne der Eltern und Kitas dringend erforderlich. Obwohl schon oft angesprochen, gibt es diese zentrale Koordination der Plätze bislang in Stuttgart nicht. Auch andere Städte und Gemeinden stehen vor diesem Problem. Der Druck hat sich mit dem Rechtsanspruch auf einen Platz ab 2013 noch verschärft. Gut, dass die Not auch erfinderisch macht. Die aus dem Ort Heidenau bei Dresden stammende Amtsleiterin für Schule und Familie sowie die Mutter und Betriebswirtin Anke Odrig haben ein System entwickelt, das diese Aufgabe überaus erfolgreich übernommen hat: „Little Bird“ heißt die Internet-Plattform, die online alle freien Kitaplätze erfasst und täglich alle An- und Abmeldungen aktualisiert. Sowohl die Kita als auch die Eltern dürfen nach wie vor eine freie Wahl treffen, nur ist die Zahl der Anmeldungen auf vier Kitas begrenzt. Ist die Zusage erfolgt, werden alle Anmeldungen von den Wartelisten gelöscht. Das System hat in einer Studie der Fachhochschule für Öffentliche Verwaltung Dortmund im Vergleich am besten abgeschnitten. Nun soll die erfolgreiche Idee auch in anderen Gemeinden vorgestellt und umgesetzt werden, ein Termin bei der Familienministerin steht bereits.
Wir meinen, dass wir auch in Stuttgart dringend eine für Eltern und Kitas transparente Koordination der Wartelisten brauchen.
1. Im Jugendhilfeausschuss wird über die bisherigen Bemühungen und Ansätze berichtet, einen Abgleich der Wartelisten zu ermöglichen.
2. Das System „Little Bird“ der Stadt Heidenau bei Dresden wird vorgestellt.
3. Es wird weiterhin berichtet, ob und in welcher Form dieses System auch in Stuttgart adaptiert werden kann und welche Voraussetzungen dafür nötig sind.
Thekla Walker, Muhterem Aras