
Die letzten Wochen haben es wieder eindrücklich gezeigt. Der kalte Winter war nur ein Ausrutscher. Das letzte Jahrzehnt, das belegt die Statistik, war das wärmste Jahrzehnt seit Begin der Wetteraufzeichnungen.
Was uns erwartet sind tropische Nächte in Stuttgart. Diesen Sommer und wohl auch die nächsten Sommer. Und die Tage dazu werden heiß, sehr heiß.
Stress für Menschen, Tiere und die Natur im Talkessel. Jetzt machen sich Bausünden in den Frischluftschneisen bemerkbar. Keine kühle Luft in den Talgrund, nur warmes Gewaber. Eine Anpassung an diese Entwicklung ist notwendig. Die Auswirkungen dieses Klimawandels müssen gemildert werden, will man weiterhin auch im Sommer in der Stadt wohnen und arbeiten.
Zur Milderung und zur Anpassung an den Klimawandel gehören u.a. bauliche Maßnahmen zur Beschattung und Lüftung in der Nacht, begrünte Flächen zur Verdunstung und Kühlung, gesicherte und wiederhergestellt Frischluftbahnen.
In Berlin gibt es jetzt einen „Stadtentwicklungsplan Klima“, welcher als Werkzeug der Stadtplanung dient, um frühzeitig auf die globale Herausforderung Klimawandel reagieren zu können. Klimagerechte Stadtentwicklung hat leider noch nicht den Zugang in unser Stadtentwicklungskonzept gefunden. Hier muss nachgebessert werden.
Einige Maßnahmen hingegen, wie Gleisbegrünungen oder die Freihaltung und Sicherung der Frischluftbahnen können schon jetzt verwirklicht werden.
1. Die Verwaltung erarbeitet bis zum Sommer 2011 ein Klimaanpassungskonzept Stuttgart als Ergänzung zum STEK (Stadtentwicklungskonzept) und zum KLIKS (Klima-schutzkonzept Stuttgart) unter Federführung des Amtes für Umweltschutz, Abteilung Stadtklimatologie mit dem Ziel einer klimagerechten Stadtentwicklung. Dabei sind insbesondere folgende Fragen zu untersuchen und zu beantworten:
a) Wie kann die Anzahl der entsiegelten oder teilentsiegelten Innenhöfe vergrößert werden?
b) Wie kann bei städtischen Gebäuden der sommerliche Wärmeschutz, insbesondere durch passive Maßnahmen, verbessert werden?
c) Wie können bestehende Frischluftbahnen noch besser geschützt werden und wie können beieinträchtige Frischluftbahnen verbessert werden?
2. Das Klimaanpassungskonzept Stuttgart muss eine Umsetzungsstrategie und Umsetzungsschritte als Empfehlung, sowohl bei der Stadtplanung, als in den Bereichen Bauen und Verkehr beinhalten.
3. Im Herbst 2010 ist im Ausschuss für Umwelt und Technik als Auftakt zum Klimaanpassungskonzept das Klimaanpassungskonzept aus Berlin vorzustellen.
4. Bis zur Vorlage des Konzeptes sind auf jeden Fall folgende Punkte umzusetzen
a) Bei Parkhäusern oder Parkgaragen ist das oberste Deck in Zukunft nicht mehr als Parkplatz sondern als Grünfläche auszubilden.
b) Beim Neubau oder wesentlicher Änderung von Stadtbahntrassen sind diese grundsätzlich zu begrünen.
c) Die SSB wird beauftragt zu prüfen ob vorhanden Trassen nachträglich begrünt werden können (Beispiel Olgaeck).
d) Bei der Planung und beim Bau städtischer Gebäude ist ein passiver sommerlicher Wärmeschutz vorzusehen.
e) Generell ist bei Planungen der sommerliche Wärmeschutz neben dem winterlichen Wärmeschutz zu betrachten.
Peter Pätzold, Werner Wölfle